Adolf Beranek

HIER WOHNTE
ADOLF BERANEK
JG. 1915
KRIEGSDIENST VERWEIGERT
WEHRMACHTSGEFÄNGNIS
TORGAU
TOT 30.9.1942
Meldeschein Adolf Beranek
Meldeschein Adolf Beranek
Das Symbol der NS-Zivil- und Militärjustiz: Richtschwert mit Parteiadler und Hakenkreuz
Das Symbol der NS-Zivil- und Militärjustiz: Richtschwert mit Parteiadler und Hakenkreuz

Kirchenstraße 49

Beranek, Adolf

Adolf BERANEK, am 6. Juni 1915 in Salzburg geboren und katholisch getauft, war der jüngere von zwei Söhnen des Ehepaares Maria und Johann Beranek. Die Familie wohnte in Itzling, seit 1935 ein Stadtteil von Salzburg, wo mehrheitlich Arbeiter und Eisenbahner wohnten. Adolfs Vater war Hilfsarbeiter, sogenannter Taglöhner, und seit dem Ersten Weltkrieg Schwerinvalide, arbeitsunfähig. Er starb 42-jährig 1929, als sein jüngerer Sohn Adolf erst 14 Jahre alt war.

Adolf erlernte den Beruf Spengler, geriet als Jugendlicher mit dem Gesetz in Konflikt, war eine Zeit lang in einem Erziehungsheim und wohnte dann wieder bei seiner verwitweten Mutter im Stadtteil Itzling, Kirchenstraße 49. Verbürgt ist außerdem, dass er, mittlerweile erwachsen, eine Liebesbeziehung hatte, aus der Anfang des Kriegsjahres 1940 ein Kind hervorging.

Der im Kriegsjahr 1915 geborene Adolf BERANEK musste schon zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, ehe sein Sohn Helmut auf der Welt war, zur deutschen Wehrmacht einrücken. Da es ihm offenbar nach wie vor an Autoritätshörigkeit mangelte, geriet er in die Fänge der Wehrmachtsjustiz, eines Vollzugsorgans der kriegführenden Nazi-Diktatur. Ein Kriegsgerichtsverfahren wegen »Zersetzung der deutschen Wehrkraft« ist allerdings nicht überliefert. Gewiss ist nur, dass Adolf BERANEK 27-jährig am 30. September 1942 im Wehrmachtsgefängnis Torgau an der Elbe zu Tode kam – ein gewaltsames Lebensende in Torgaus berüchtigtem Fort Zinna ist anzunehmen. Im Polizeimelderegister der Stadt Salzburg sind aber bloß Ort und Datum des Todes vermerkt.

Adolf BERANEKS Mutter und Bruder, seine Freundin Emma und ihr Sohn Helmut überstanden die Kriegsjahre. Letztere hatten aber als Hinterbliebene eines Opfers der nationalsozialistischen Kriegsjustiz im befreiten Österreich keinen Anspruch auf Opferfürsorge – mangels Übereinstimmung mit dem 1947 gesetzlich fixierten Opferbegriff: »Opfer des Kampfes um ein freies, demokratisches Österreich«.

Aber mehr als die lapidare Todesmeldung aus dem Wehrmachtsgefängnis Torgau vom September 1942 hat Salzburg zu keiner Zeit erreicht. Doch dieses Wenige stammt aus den Händen der Mörder.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Pflanzmannstraße 6 147m 147m, 168°  Scheuringer, Maria
Bahnhofstraße 39 253m 253m, 164°  Honeder, Georg
Bahnhofstraße 39 268m 268m, 173°  Zöchling, Franz
Schopperstraße 20 292m 292m, 197°  Schallmoser, Karl
Bermoser, Johann
Bermoser, Rosa
Baron-Schwarz-Park 462m 462m, 130°  Hermann, Maximilian

Stolperstein

verlegt am 26.09.2018 in Salzburg, Kirchenstraße 49.

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