Michael Chartschenko

MICHAEL
CHARTSCHENKO
JG. 1914
Erschossen von SS
im Volksgarten
4.5.1945
Tag der Befreiung
Die Befreiung Salzburgs am 4. Mai 1945 durch US-Truppen, Stunden nachdem Michael Chartschenko ermordet wurde.<br>Foto: National Archive Washington
Die Befreiung Salzburgs am 4. Mai 1945 durch US-Truppen, Stunden nachdem Michael Chartschenko ermordet wurde.
Foto: National Archive Washington
Salzburg, 4. Mai 1945, Tag der Befreiung: US-Truppen auf der Staatsbrücke<br>Foto: National Archive Washington
Salzburg, 4. Mai 1945, Tag der Befreiung: US-Truppen auf der Staatsbrücke
Foto: National Archive Washington
KZ-Denkmal auf dem Salzburger Kommunalfriedhof<br>Foto: Gert Kerschbaumer
KZ-Denkmal auf dem Salzburger Kommunalfriedhof
Foto: Gert Kerschbaumer

Volksgarten

Chartschenko, Michael Schuchlenz, Johann

Am Anfang des dritten Jahrtausends war das Opfer noch namenlos, bloß eine Nummer, die uns heute nichts sagt, in einer Zeit, in der wir von Nummern und Strichcodes überfüttert sind, eine Nummer, die bis zum Ende des NS-Regimes auf der gestreiften Häftlingskleidung stand, eine Nummer, die den Namen, die Individualität eines Menschen, die Einmaligkeit eines Lebens auszulöschen hatte.

Nummer 66698: ein Dachauer KZ-Häftling, der die Arbeitskommandos Schuttaufräumen, Bombensuchen und Entschärfen von Zeitzündern, somit das »Himmelfahrtskommando« überstanden hatte, wurde am 4. Mai 1945, knapp vor der Befreiung der Stadt Salzburg durch US-Truppen, im Volksgarten von SS-Männern erschossen und notdürftig verscharrt. Ein Tathergang mit starkem Machtgefälle ist anzunehmen: Bewaffnete in Uniformen des Staatsterrors einerseits, ein wehrloser Zwangsarbeiter in Häftlingskleidung andererseits, die Herren stehend, schießend und die Nummer fallend, liegend – Selbsterhöhung und Fremderniedrigung.

Elf Wochen nach dem Mord wird die Leiche mit Einschüssen am Rücken, Kopf und Herz exhumiert, am 18. Juli 1945 auf dem Kommunalfriedhof, Gruppe 72, feierlich bestattet. Das Grab des namenlosen KZ-Häftlings, das in den ersten Jahren nach der Befreiung den überlebenden KZ-Häftlingen als Gedenkort diente, existiert nicht mehr – kein Grab und kein Name, doch die Identität eines Opfers lässt sich heute mit Hilfe der KZ-Gedenkstätten ermitteln.

Der Leiter des Archivs der KZ-Gedenkstätte Dachau, Albert Knoll, konnte lediglich feststellen, dass der Häftling Nr. 66698, Michael CHARTSCHENKO, geboren am 20. Februar 1914 in Rubanowka, am 29. April 1945, dem Tag der Befreiung Dachaus, als befreit gegolten habe. Das heißt, dass von den später befreiten Orten wie Salzburg keine Todesmeldungen mehr im Konzentrationslager eintrafen.

Penibel registriert wurde im KZ Dachau allerdings der Tod von drei Häftlingen des Bombensuchkommandos Salzburg im November 1944: Martin GAY, Lech MANCZAK und Josef BIERONSKI, die in der Dreifaltigkeitsgasse, in der Nähe des damaligen Hotels Münchnerhof, beim Entschärfen von Zeitzünderbomben zu Tode kamen.

Von November 1944 bis Mai 1945 waren vermutlich 90 Häftlinge den Bombensuch-, Spreng- und Aufräumkommandos in Salzburg zugeteilt. Gewiss ist, dass die Zwangsarbeitskommandos die Bezeichnung »Außenlager Salzburg – Polizeidirektion« führten und als kriegswichtig galten. Der Nutzen der lebensgefährlichen Zwangsarbeit findet seinen Niederschlag in abgerechneten Arbeitsstunden (zum Beispiel im Februar 1945: 112 Stunden für Facharbeiter und 2.240 Stunden für Hilfsarbeiter). Listen mit den Daten der Häftlinge sind jedoch nicht mehr vorhanden. Auch für das Quartier, vermutlich das Polizeigefängnis am Rudolfsplatz (heute Bezirksgericht), das schon in den Kriegsjahren 1942/43 den Dachauer KZ-Häftlingen, die den Baukommandos der SS zugeteilt waren, als Quartier gedient hatte, fehlen Belege – Quellenlöcher, die sich auftun.

Namen werden erst nach und nach bekannt, mittlerweile sind es 21 KZ-Häftlinge aus Dachau inklusive des Ukrainers Michael CHARTSCHENKO. Sein Name steht auf einem der ersten »Stolpersteine«, die der Künstler Gunter Demnig am 22. August 2007 in der Stadt Salzburg verlegte.

Gudrun Seidenauer: »Eines jeden sein einziges Leben« Gudrun Seidenauer: »Eines jeden sein einziges Leben«
Text »Gedenkveranstaltung (4. Mai 2015) zur Befreiung Salzburgs am 4. Mai 1945«

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Hellbrunnerstraße 14 292m 292m, 197°  Feitzinger, Berta
Hahn, Therese
Arenbergstraße 33 312m 312m, 357°  Neuwirth, Gisela
Neuwirth, Max
Neuwirth, Henriette
Arenbergstraße 29a 331m 331m, 340°  Deininger, Norbert
Arenbergstraße 25 345m 345m, 334°  Schaffgotsch, Franz Gotthard
Prälat-Winkler-Straße 7 347m 347m, 122°  Biack, Karl

Stolperstein

verlegt am 22.08.2007 in Salzburg, Volksgarten.

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