Johann Facinelli

HIER WOHNTE
JOHANN FACINELLI
JG. 1887
VERHAFTET 13.3.1938
DEPORTIERT 11.4.1938
DACHAU
ERMORDET 4.6.1938

Rupertgasse 13

Facinelli, Johann

Johann FACINELLI, geboren am 27. Oktober 1887 in Bischofshofen, Land Salzburg, war katholisch, verheiratet und Gastwirt in Bischofshofen. Er war als Angehöriger der österreichischen Heimwehr und als Hilfspolizist am 26. Juli 1934 an die Niederschlagung des nationalsozialistischen Putsches am Mandlingpass bei Radstadt beteiligt. Hernach übersiedelte er mit seiner Familie in die Stadt Salzburg.

Hier war FACINELLI aber vor der Rache und dem Terror illegaler Nationalsozialisten keineswegs sicher. Im September 1935 zählte er neben Erzbischof Dr. Sigismund Waitz und Kanonikus Leonhard Steinwender zu den Adressaten von Briefbomben, die allerdings vor der Postzustellung abgefangen werden konnten. Die verdächtige Post explodierte jedoch bei der Untersuchung durch einen Kriminalpolizisten, der dabei schwer verletzt wurde – er verlor beide Hände und ein Auge. Den von der Polizei ermittelten Tätern aus Salzburg gelang die Flucht in das nationalsozialistische Deutschland. Sie blieben ungeschoren.

Johann FACINELLI, der in Salzburg als Krankenkassenkontrolleur tätig war, wurde am 13. März 1938 wegen seiner Beteiligung an der Niederschlagung des nationalsozialistischen Putsches verhaftet1, als »Schutzhäftling« am 11. April 1938 ins KZ Dachau deportiert und dort 50-jährig am 4. Juni 1938 ermordet: eines von vielen Racheopfern des NS-Regimes.

Johann FACINELLI hinterließ eine Frau und vier minderjährige Kinder. Nach der Befreiung Österreichs hatte die Witwe Anspruch auf Opferfürsorge. Sie starb 1973 in Salzburg.

1 Verfahren des Salzburger Landesgerichts gegen neun Heimwehrmänner, die an der Niederschlagung des NS-Putsches im Juli 1934 in Radstadt beteiligt waren; Einvernahme des Beschuldigten Johann FACINELLI am 20. Mai 1938, fünfzehn Tage vor seiner Ermordung im KZ Dachau.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

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Virgilgasse 8 182m 182m, 244°  Wurm, Marie
Bayerhamerstraße 6 232m 232m, 220°  Klar, Felix
Schallmooser Hauptstraße 17 240m 240m, 201°  Aigner, Maria

Stolperstein

verlegt am 22.03.2012 in Salzburg, Rupertgasse 13.

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