Maria & Johann Haslauer

HIER WOHNTE
JOHANN HASLAUER
JG. 1890
ZEUGE JEHOVAS
KRIEGSDIENST VERWEIGERT
VERHAFTET 9.11.1939
1940 SACHSENHAUSEN
ERMORDET 12.8.1940
Johann Haslauer
Johann Haslauer

Getreidegasse 33

Geer, Josef Haslauer, Johann Haslauer, Maria

Die Familie HASLAUER, die in Salzburg, Getreidegasse 33, 3. Stock, wohnte, bekannte sich zu der schon in Österreich verbotenen Glaubensgemeinschaft Zeugen Jehovas (Bibelforscher), die unter dem NS-Regime insbesondere wegen ihrer Verweigerung des Kriegsdienstes verfolgte wurde. Die Staatspolizei konnte schon anhand der Meldekartei jene Personen ermitteln, die aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten und als »christlich freistehend« registriert waren: Personen, die als Angehörige einer verbotenen »wehrfeindlichen Verbindung« observiert wurden.

Für die kleinen Glaubensgemeinschaften bestand folglich das Problem, wie sie ihr religiöses Leben im Verborgenen organisieren sollten. Ein Ort ihrer regelmäßigen Zusammenkünfte war die Wohnung der Familie HASLAUER in der Salzburger Altstadt. Am 4. April 1939 hatte dort ein Gestapo-Beamter sechs Zeuginnen und Zeugen Jehovas bei ihrem Gedächtnismahl oder Passah-Fest angetroffen, wie aus der Gerichtsakte hervorgeht. Die wegen »Geheimbündelei« angezeigten und inhaftierten Personen, darunter die Familie HASLAUER, wurden zwar am 31. Mai 1939 freigelassen, doch erfolglos unter Druck gesetzt, ihrem christlichen Glauben abzuschwören.

Johann HASLAUER, geboren am 5. Jänner 1890 in Hallein, Bierbrauer in der Sternbrauerei im Salzburger Stadtteil Riedenburg, wurde am 9. November 1939 wegen Verweigerung des Kriegsdienstes verhaftet, am 14. Dezember 1939 ins KZ Sachsenhausen deportiert und am 13. August 1940 im Außenlager Wewelsburg ermordet.1

Seine Ehefrau Marie HASLAUER, geborene Mackinger, geboren am 27. Dezember 1899 in Berndorf (Land Salzburg), und ihre am 16. Mai 1922 geborene Tochter Antonia wurden wegen ihres Glaubens am 10. November 1939 verhaftet und am 28. Dezember 1939 ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert. Die 42-jährige Mutter wurde – gemeinsam mit rund 100 Zeuginnen Jehovas, die im KZ jegliche Kriegsarbeit verweigerten – im August 1942 von Ravensbrück nach Auschwitz deportiert, dort am 27. September 1942 ermordet (die typhuskranke Frau wurde laut Zeitzeuginnen von Hunden tot gebissen).

Ihre Tochter Antonia Mackinger überstand die Terrorjahre, kehrte nach Salzburg zurück und heiratete hier den ebenfalls wegen seines Glaubens verfolgten Otto Stessun. Am 19. April 1946 kam ihre Tochter Ruth in Salzburg zur Welt.

1 Zugangs- und Todesdaten sowie Todesort laut Information der Gedenkstätte Sachsenhausen vom 9. Dezember 2011

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

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Getreidegasse 24 74m 74m, 89°  Schneider, Josefine
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Stolperstein

verlegt am 28.08.2008 in Salzburg, Getreidegasse 33.

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