Olga Hekajllo

HIER WOHNTE
OLGA HEKAJLLO
JG. 1892
IM WIDERSTAND
DEPORTIERT JULI 1944
RAVENSBRÜCK
ERMORDET 22.7.1944

Haunspergstraße 11

Hekajllo, Olga

Olga HEKAJLLO, geboren am 20. Jänner 1892 in Lemberg (Lwów, Lwiw), Galizien, damals Österreich-Ungarn, war das ältere Kind des katholischen Ehepaares Sigmund HEKAJLLO, eines im österreichischen Kronland Galizien stationierten Offiziers, und Bertha, geborene Schuschnigg, Tochter des Ehepaares Generalmajor Alois Edler und Katharina von Schuschnigg, die ihren Alterswohnsitz in der Stadt Salzburg hatten, wie aus dem High-Life-Almanach der österreichischen Gesellschaft (Kronland Salzburg) hervorgeht.

Unter derselben Adresse, Salzburg, Hubert Sattlergasse 5, wohnte seit Mai 1903 ihre Tochter Bertha HEKAJLLO, getrennt von ihrem Ehemann, mit ihren beiden Kindern Olga und Wladimir-Felician. Olga absolvierte die Lehrerinnenbildungsanstalt der Ursulinen, blieb wegen des Lehrerinnenzölibats ledig, war Volksschullehrerin in Landgemeinden und schließlich in der Landeshauptstadt. Seit 1937 wohnte die Frau in der Elisabethvorstadt, Haunspergstraße 11, im Haus des Arztes Medizinalrat Dr. Matthias Deissl.

Anhand der Polizeimeldekartei lässt sich lediglich feststellen, dass Olga HEKAJLLO »amtlich abgemeldet« wurde, allerdings mit dem Vermerk: »während des Krieges im KZ gestorben«. In welchem KZ die Frau zu Tode kam, konnte in den Gedenkstätten nicht ermittelt werden. Die Personensuche blieb selbst beim International Tracing Service in Bad Arolsen ergebnislos. Es war folglich nur zu vermuten, dass Olga HEKAJLLO im Frauen-KZ Ravensbrück ermordet wurde. Dort hatte die SS alle Zeugnisse ihrer Verbrechen inklusive des Totenbuchs in den letzten Kriegstagen vernichtet.

Das Ende der in ein KZ verschleppten Frau bliebe für immer im Dunkeln, wäre sie nicht eine Cousine des prominenten Österreichers Dr. Kurt Schuschnigg, des Bundeskanzlers von 1934 bis 1938. Dank der Memoiren seines Sohnes bekommt der Schicksalsverlauf der Olga HEKAJLLO Konturen: Sie hatte BBC London, also »Feindsender« gehört und über die Neuigkeiten mit ihrem Greißler gesprochen, belauscht von einem Dritten, der die Frau bei der Gestapo denunzierte. Die 52-jährige Olga HEKAJLLO wurde verhaftet, aber nicht strafrechtlich verfolgt, sondern gleich ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert, wovon sie ihren Bruder benachrichtigte, datiert mit 24. Juli 1944. Ihr Bruder erhielt außerdem von der KZ-Lagerverwaltung eine Urne und ein Dokument mit der offiziellen Todesursache »akute Pneumonie« und dem offiziellen Todesdatum »22. Juli 1944« (Kurt von Schuschnigg: When Hitler took Austria, San Francisco 2012, S. 136).

Bemerkenswert ist noch, dass Olga HEKAJLLO zu den Terroropfern zählt, die weder in der 1991 publizierten Dokumentation Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934-1945 noch in der elektronischen Opferdatei des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) aufscheinen.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Josef-Mayburger-Kai 8 113m 113m, 313°  Weil, Camill
Plainstraße 29 155m 155m, 59°  Levi, Julius
Plainstraße 18 158m 158m, 81°  Köhler, Leo
Plainstraße 5 171m 171m, 135°  Wagner, Johann
Plainstraße 11 171m 171m, 135°  Silberbauer, Franz

Stolperstein

verlegt am 18.04.2013 in Salzburg, Haunspergstraße 11.

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