Konrad Hertzka Hoerstolperstein

HIER WOHNTE
KONRAD HERTZKA
JG. 1911
LANDESHEILANSTALT
 UCHTSPRINGE
SACHSEN-ANHALT
TOT 7.3.1942

Wolf-Dietrich-Straße 18

Hertzka, Konrad

Konrad hertzka, geboren am 8. Oktober 1911 in Bad Gastein, Land Salzburg, war das zweite von drei Kindern des Ehepaares Marie und Dr. Josef hertzka. Konrads Vater, ein Jude, der schon vor seiner Ehe im Jahr 1906 zum evangelischen Glauben Augsburger Bekenntnis konvertierte, war praktischer Arzt, zunächst in Bad Gastein und seit 1917 in der Stadt Salzburg, Wolf-Dietrich-Straße 18. Das Haus, in dem er seine Praxis hatte und mit seiner Familie wohnte, war Eigentum seiner Ehefrau Marie. Sie hatte als Katholikin ihre Kinder Christine, Konrad und Gottfried katholisch taufen lassen.

Ihre Tochter Christine, die eine katholische Lehrerinnenbildungsanstalt besucht hatte, war Volksschullehrerin in Landgemeinden und ihre Söhne Konrad und Gottfried, die am Humanistischen Gymnasium in Salzburg maturiert hatten, absolvierten in Wien ihre Studien. Konrad studierte technische Physik an der Technischen Hochschule, wo er am 7. Mai 1936 die zweite Staatsprüfung mit sehr gutem Erfolg ablegte (»Ing.« als Standesbezeichnung, heute »Dipl.Ing.«). Gottfried promovierte am 15. Juli 1938 zum Doktor der Medizin, somit unter dem NS-Regime. Fortan galten die Geschwister Christine, Konrad und Gottfried als »jüdische Mischlinge 1. Grades«. Ihr Vater, der 61-jährig im August 1936 gestorben war, hätte unter der NS-Herrschaft als »Volljude« gegolten und daher seinen Arztberuf nicht mehr ausüben dürfen.

Der Leidensweg seines Sohnes Konrad begann im Gewaltjahr 1938. Der 27-jährige litt unter schweren Depressionen und war aus diesem Grunde seit 28. Oktober 1938 Patient der Landesheilanstalt in Salzburg (heute Christian-Doppler-Klinik). Am 10. November 1938, nach der Reichspogromnacht, stellte ein Psychiater, der hertzka untersuchte, eine folgenschwere Diagnose, weshalb er in der geschlossenen Anstalt zu verbleiben hatte und obendrein durch das Amtsgericht Salzburg »voll entmündigt« wurde.

Seine Mutter Marie hertzka, die als Vormund gegen die amtlichen Entscheidungen vergeblich Einspruch erhob, vertrat die Ansicht, ihr kranker Sohn Konrad könne unter ärztlicher Aufsicht in der Landwirtschaft arbeiten und auf diese Weise schneller geheilt werden. Daraus lässt sich der weitere Verlauf erklären. Von offizieller Seite hieß es, der Patient Ing. Konrad hertzka sei im September 1940 aus der Landesheilanstalt Salzburg entwichen. Anzunehmen ist aber, dass es seiner Mutter gelungen war, ihn aus der geschlossenen Anstalt zu holen und ihm fern von Salzburg einen Zufluchtsort zu bieten. Er konnte jedoch alsbald auf dem Gut Erzberger in Szillen, Ostpreußen, in der damals östlichsten Provinz Deutschlands, von der Polizei ausgeforscht werden. Seine Freiheit war daher von kurzer Dauer.

Schon im November 1940 erfuhr Salzburgs Meldepolizei den neuen Aufenthaltsort des Patienten Konrad hertzka: die Heil- und Pflegeanstalt Tapiau in Ostpreußen. Er blieb dort zirka 15 Monate und zählte zu den 349 Pfleglingen, die am 5. Februar 1942 nach Uchtspringe, in die Landesheilanstalt von Sachsen-Anhalt verlegt wurden und dort im Verlauf des Kriegsjahres 1942 zu Tode kamen. Salzburgs Meldepolizei registrierte den Todestag des erst 30-jährigen Konrad hertzka: 7. März 1942, und außerdem den genauen Todesort, die Station 23 der Landesheilanstalt Uchtspringe – ein Ort mit signifikanter Häufung von Todesfällen unter dem NS-Regime.1

Bekannt ist außerdem, dass Konrads Schwester Christine hertzka als »jüdischer Mischling« im Jahr 1939 aus dem Schuldienst entlassen wurde. Sie überstand die Terrorjahre in Bayern und emigrierte in die USA, wo sie heiratete. Ihr jüngerer Bruder Gottfried musste ebenfalls Salzburg verlassen. Er arbeitete als Hilfsarzt in Bayern und geriet als Gegner der »Euthanasie« (Krankenmorde) mit dem NS-Regime in Konflikt. Er befand sich daher eine Zeit lang in Haft und erlebte die Befreiung in Landsberg am Lech. Der später in Konstanz lebende und praktizierende Arzt Dr. Gottfried hertzka gilt als Begründer der »Hildegard-Medizin«, benannt nach der heiligen Hildegard von Bingen. Seine Mutter Marie hertzka hatte ihren Alterssitz am Wirkungsort ihres Sohnes, wo sie auch starb.

1 Dr. Kriemhild Synder: Die Landesheilanstalt Uchtspringe und ihre Verstrickungen in nationalsozialistische Verbrechen, in: Psychiatrie des Todes. NS-Zwangssterilisation und »Euthanasie« im Freistaat Anhalt und in der Provinz Sachsen, Teil 1, Magdeburg 2001, S. 75-96

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer
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Benachbarte Stolpersteine

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Stolperstein

verlegt am 02.07.2014 in Salzburg, Wolf-Dietrich-Straße 18.

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