Johann Kendlhofer

HIER WOHNTE
JOHANN KENDLHOFER
JG. 1908
KRIEGSDIENST VERWEIGERT
ERSCHOSSEN 2.6.1942
IN WIEN-KAGRAN
Das Symbol der NS-Zivil- und Militärjustiz: Richtschwert mit Parteiadler und Hakenkreuz
Das Symbol der NS-Zivil- und Militärjustiz: Richtschwert mit Parteiadler und Hakenkreuz

Glockengasse 8

Kendlhofer, Johann

Johann KENDLHOFER, am 9. Dezember 1908 in Salzburg geboren und in seiner Heimatgemeinde Gnigl katholisch getauft, war der dritte von vier Söhnen des Ehepaares Maria und Leopold Kendlhofer. Die in der damals selbständigen Gemeinde Gnigl heimatberechtigte Familie wohnte im Haus Turnerstraße 11. Johanns Vater war Eisenbahner, Zugschaffner der Österreichischen Bundesbahn. Sein älterer Bruder Franz war 23 Jahre alt, als er tödlich verunglückte.

Johann KENDLHOFER, der keinen Lehrberuf abschließen konnte und als 19-jähriger, damals noch nicht als volljährig geltend, von zu Hause auszog, führte ein unruhiges Leben mit häufigem Ortswechsel. In Salzburg geriet er vermutlich mit dem Gesetz in Konflikt, bekannt ist jedenfalls, dass er als 21-jähriger und somit als Volljähriger ein befristetes Aufenthaltsverbot für das Stadtgebiet erhielt. Im Polizeimelderegister ist überdies dokumentiert, dass er seit Jahresbeginn 1936 eine Schlafstelle in der von Arbeits- und Obdachlosen frequentierten Herberge der Stadtgemeinde Salzburg hatte.1 Der amtliche Abmeldestempel hat das Datum 6. Mai 1938 – Heimkehr ins Elternhaus oder Flucht, Verfolgung und gewaltsames Ende eines unangepassten Lebens?

Bislang ließ sich sein Lebensende unter dem NS-Regime mangels Gerichtsakten und Zeitzeugen nicht zur Gänze klären. Gewiss ist allerdings, dass der im März 1941 zur Deutschen Wehrmacht einberufene Johann KENDLHOFER in Wien vom Kriegsgericht der Division 177 des Wehrkreises XVII zum Tode verurteilt und 33-jährig am 2. Juni 1942 auf dem Militärschießplatz in Kagran erschossen wurde. Vor seinem Tod hatte er sicherlich noch erfahren, dass sein 21-jähriger Bruder Oskar als Wehrmachtssoldat im Juli 1941 beim Angriff auf die Sowjetunion für »Führer, Volk und Vaterland« gefallen war.

Alois, der ältere Bruder der drei verstorbenen, und seine Eltern Maria und Leopold Kendlhofer überstanden die Terrorjahre.

1 jetzt Haus der Stadtgeschichte in Salzburg, Glockengasse 8

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Schallmooser Hauptstraße 12 46m 46m, 283°  Kampfer, Johann
Schallmooser Hauptstraße 17 60m 60m, 21°  Aigner, Maria
Schallmooser Hauptstraße 8 99m 99m, 257°  Ranzenberger, Hubert
Bayerhamerstraße 6 106m 106m, 339°  Klar, Felix
Bayerhamerstraße 5 113m 113m, 332°  Kritzinger, Michael

Stolperstein

verlegt am 14.11.2016 in Salzburg, Glockengasse 8.

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