Josefine Kubin

HIER WOHNTE
JOSEFINE KUBIN
JG. 1911
DEPORTIERT 21.5.1941
SCHLOSS HARTHEIM
ERMORDET 1941
Foto: Gert Kerschbaumer
Foto: Gert Kerschbaumer

Franz-Josef-Straße 4

Hattinger, Alois Kubin, Josefine

Josefine KUBIN, am 17. Mai 1911 in Salzburg geboren und evangelisch getauft, war das einzige Kind des Ehepaares Maria und Josef Kubin. Die in Salzburg heimatberechtigte Familie wohnte in einem »Faberhaus«, Franz-Josef-Straße 4, erste Etage.1 Josefines Vater, der Buchhalter in Handelsbetrieben war, starb im Jahr 1930.

Josefine, die keinen Beruf erlernte und ledig blieb, arbeitete als »Hilfskontoristin« in einem Realitätenbüro. Sie erkrankte, wurde im Oktober 1940, demnach unter dem NS-Regime, durch Gerichtsbeschluss entmündigt und in der Landesheilanstalt Salzburg aufgenommen. Die 30-jährige Frau zählte zu den 85 Pfleglingen, die am 21. Mai 1941 nach Hartheim deportiert und ermordet wurden. Josefines Mutter, gerichtlich bestellte Kuratorin (Sachwalterin), erhielt am 12. Juni 1941 die falsche Nachricht, dass ihre Tochter am 30. Mai 1941 in der »Heil- und Pflegeanstalt« Bernburg an der Saale verstorben sei. Im Polizeimelderegister der Stadt Salzburg ist bei Opfern der nationalsozialistischen Geheimaktion »T4«2 weder das Datum noch der Ort des Todes vermerkt. Nach der Befreiung Salzburgs wurde allerdings auf der Meldekarte der ermordeten Josefine KUBIN handschriftlich hinzugefügt: »30. 5. 41 in Hartheim O. Ö. verstorben!«

Der Antrag der verwitweten Mutter Maria Kubin auf Opferfürsorge wurde im April 1949 durch das Bundesministerium für soziale Verwaltung mit der Begründung abgewiesen:

»Für den Tod Ihrer Tochter konnte der Nachweis einer politischen Verfolgung nach § 1, Abs. 2, lit. a weder erbracht noch angenommen werden.«

Keinen Anspruch auf Opferfürsorge hatten Opfer der sogenannten Euthanasie (Krankenmorde), Homosexuelle, sogenannte Asoziale und ihre Hinterbliebenen. Frau Maria Kubin, die 1987 in Salzburg starb, hatte zeit ihres Lebens auch keinen Anspruch auf Entschädigung, da der Nationalfonds der Republik Österreich als Entschädigungsfonds erst 1995 ins Leben gerufen wurde.

1 Im Parterre des »Faberhauses« Franz-Josef-Straße 4 wohnte Alois HATTINGER, Aktivist der kommunistischen Widerstandsbewegung, der im Kriegsjahr 1944 im Zuchthaus Straubing zu Tode kam.

2 »T4«: benannt nach der »Euthanasie«-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Franz-Josef-Straße 6 18m 18m, 53°  Aninger, Heinrich
Aninger, Klara
Franz-Josef-Straße 5 46m 46m, 341°  Steindler, Eduard
Franz-Josef-Straße 9 63m 63m, 69°  Singer, Hugo
Singer, Paula
Singer, Egon
Rainerstraße 4 68m 68m, 279°  Langer, Johann
Bonyhadi, Daniel
Bonyhadi, Ludwig
Bonyhadi, Gertrude
Bonyhadi, Edgar
Pollak, Anna
Rosenthal, Natalie
Faberstraße 11 74m 74m, 89°  Spiegel, Bela Baruch
Spiegel, Therese

Stolperstein

verlegt am 22.06.2009 in Salzburg, Franz-Josef-Straße 4.

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