Ernst, Ida & Herbert Löwy

HIER WOHNTE
HERBERT LÖWY
JG. 1926
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Meldeschein der Familie Löwy
Meldeschein der Familie Löwy
Rückseite des Meldescheins der Familie Löwy
Rückseite des Meldescheins der Familie Löwy

Linzer Gasse 5

Löwy, Ernst Löwy, Herbert Löwy, Ida

Ernst LÖWY, geboren am 17. Jänner 1900 in Netluk bei Leitmeritz, damals Böhmen, Österreich-Ungarn, war ein Sohn des jüdischen Ehepaares Anna und Ferdinand LÖWY. Über seine Familie ist bekannt, dass seine beiden Onkel Rudolf und Oswald LÖWY seit den 1880er Jahren in Salzburg ansässig waren. Der 14-jährige Ernst kam im Oktober 1914 nach Salzburg, machte im Geschäft seines Onkels Oswald LÖWY, Mirabellplatz 6, eine Handelslehre, war hernach Angestellter und heiratete 1925 die oberösterreichische Jüdin Ida Pick, geboren am 8. Februar 1901 in Ottnang am Hausruck, die einen Sohn bekam: Herbert, geboren am 27. August 1926 in Salzburg.

Die Familie LÖWY, die seit der Geburt des Sohnes im Haus Linzer Gasse 5, 3. Stock, wohnte, wurde im November 1938 aus Salzburg vertrieben, flüchtete in die damals noch freie Tschechoslowakei und wohnte in Prag, Truhlarska 5.

Im deutschen »Protektorat Böhmen und Mähren«, dem besetzten Teil der Tschechoslowakei, wurde die Familie LÖWY verhaftet. Der 42-jährige Ernst LÖWY und seine 41-jährige Frau Ida wurden am 24. Oktober 1942, ihr 16-jähriger Sohn Herbert am 22. Dezember 1942 nach Theresienstadt und gemeinsam am 6. September 1943 nach Auschwitz deportiert, dort ermordet. Ernst LÖWYS Tante Amalie LÖWY, die ebenfalls bis 1938 in Salzburg gelebt hatte, wurde in Lublin-Majdanek ermordet.

Über Ida LÖWYs oberösterreichische Verwandte ist noch bekannt, dass ihr Vater Bernhard Pick im März 1938 in seinem Wohnort Thomasroith Suizid beging und ihre Schwester Ludmilla 1944 in Auschwitz ermordet wurde.

Das Haus Linzer Gasse 5, in dem die Familie LÖWY bis November 1938 gewohnt hatte, war seit 1892 im Eigentum der in Salzburg ansässigen jüdischen Familie Rudolf und Elise Fürst, die dort auch ihren Geschäftsbetrieb hatte: Textilhandel im 1. Stock, Galanterie und Parfümerie im Parterre. Die beiden Geschäfte wurden in der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 von der SA verwüstet und geplündert. Im Jahr 1939 wurde das Haus von Josef Falkensteiner »arisiert«: eine Rückstellung des enteigneten Hauses kam nach 1945 nicht zustande, lediglich ein außergerichtlicher Vergleich.

Die Schicksalsverläufe der drei in Salzburg geborenen Geschwister FÜRST, denen das geraubte Haus zuletzt gehört hatte, sind unterschiedlich:

Martha FÜRST, geboren 1886, verwitwete Stein, war schwer krank und starb im Juli 1938 in Salzburg (Grab auf dem jüdischen Friedhof in Aigen).

Hedwig FÜRST, geboren 1889, verehelichte Bisentz, und ihr Ehemann David, die bis zu ihrer Deportation in Wien lebten, wurden in Theresienstadt ermordet; ihr Sohn Rudolf, geboren 1913 in Salzburg, starb 2010 in Kirkland, USA.

Arthur FÜRST, geboren 1883, seine Ehefrau Irene und ihre beiden in Salzburg geborenen Töchter Elisabeth und Ilse (Elsie), die im November 1938 ihr Haus Linzer Gasse 5 verlassen mussten, erreichten am 4. März 1939 New York (dank der Bürgschaft des jüngeren Bruders Joseph FÜRST, geboren 1884 in Salzburg, der 1901 in die USA emigrierte). Arthur FÜRST starb 1947 in Charleston (South Carolina), seine Ehefrau Irene starb 1998 in Northbrook (Grab in Charleston), ihre Tochter Elisabeth, geboren 1924, verehelichte KAPLAN, starb 1986 in Charleston, und ihre Tochter Ilse (Elsie), geboren 1928, verehelichte Horowitz, starb 2007 in Northbrook (Illinois); Hinterbliebene in den USA: Ron und Bob, Arthur, Burt und Sheryl. Das Grab ihrer Urgroßeltern Rudolf und Elise FÜRST befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Salzburg-Aigen.

Mit dem Haus Linzer Gasse 5 ist die Lebensgeschichte einer weiteren jüdischen Familie verbunden: Hier wohnte von 1892 bis 1904 das Ehepaar Paula und Gustav Friedmann mit ihren beiden älteren Kindern Camilla und Eduard, die in Salzburg zur Welt kamen. Danach lebte die Familie Friedmann in Laufen an der Salzach, wo die beiden Kinder Robert und Irma geboren wurden. Bekannt ist außerdem, dass die verwitwete Mutter Paula Friedmann, ihr am 1. Juli 1902 in Salzburg geborener Sohn Eduard, seine Ehefrau Doris und ihre beiden Kinder Greta und Hilda in Auschwitz ermordet wurden und dass Eduards ältere Schwester Camilla, geboren am 16. Oktober 1899 in Salzburg, und ihr jüngerer Bruder Robert, geboren am 23. August 1908 in Laufen, nach Palästina/Israel flüchten konnten. Ihre am 23. August 1910 in Laufen geborene Schwester Irma, die eine Zeit lang Hausmädchen der Familie Sarah und Daniel BONYHADI in Salzburg war und hier auch heiratete, überstand die Terrorjahre in Salzburg. Sie nannte sich als Malerin Irma Rafaela Toledo und starb am 7. Jänner 2002 in Salzburg.

Autor:Gert Kerschbaumer
Recherche:Verena Wagner

Benachbarte Stolpersteine

Linzer Gasse 6 26m 26m, 146°  Zweig, Olga
Hammer, Franziska
Königsgässchen 4 39m 39m, 286°  Tischer, Friedrich
Dreifaltgkeitsgasse 5 43m 43m, 239°  Köhler, Hermine
Köhler, Max
Dreifaltigkeitsgasse 1 53m 53m, 213°  Jellinek, Johann
Jellinek, Gisela
Dreifaltigkeitsgasse 3 70m 70m, 161°  Bieronski, Josef
Gay, Martin
Manczak, Lech

Stolperstein

verlegt am 22.08.2007 in Salzburg, Linzer Gasse 5.

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