Rudolf Erich Müller

HIER WOHNTE
RUDOLF ERICH
MÜLLER
JG. 1873
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 3.3.1943
Meldeschein von Rudolf Erich Müller
Meldeschein von Rudolf Erich Müller
Todesmeldung der Gestapo, 31. Mai 1944
Todesmeldung der Gestapo, 31. Mai 1944

Mirabellplatz 6

Müller, Rudolf Erich

Dipl. Ing. Rudolf Erich MÜLLER, geboren am 10. Juli 1873 in Pozega (Österreich-Ungarn, jetzt Kroatien), Sohn des Ehepaares Gisala, geborene Guthardt, und David Müller, Gutsbesitzer in Pozega, war katholisch konvertierter Jude, verheiratet mit einer Katholikin nicht-jüdischer Herkunft, seit 1912 Inhaber einer Handelsagentur in Salzburg. Das hier nach altösterreichischem Recht heimatberechtigte Ehepaar wohnte im Haus Mirabellplatz 6, 2. Etage, und war Eigentümer der Liegenschaft Schwarzstraße 17 / Elisabethkai 16, die im Gewaltjahr 1938 auf Leibrente verkauft wurde.

Das Ehepaar musste im November 1938 seine große Wohnung am Mirabellplatz räumen, ein deutscher SS-Führer und SD-Abteilungsleiter war der Nutznießer. Der Ehemann wurde am 11. November verhaftet und gleich nach Wien abgeschoben, wohnte dort im 21. Bezirk, Töllergasse 15, im Kloster der Karmelitinnen (Altersheim) – Deportationsadresse von über 70 katholisch konvertierten Jüdinnen und Juden, darunter die ebenfalls aus Salzburg vertriebenen Franziska van ALDERWERELT und Helene von TAUSSIG. Der 69-jährige Rudolf Erich MÜLLER wurde am 10. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 3. März 1943 ermordet.

Im Mai 1944 wurde die in einer Salzburger Kleinwohnung lebende Witwe vom Tod ihres Mannes durch die Gestapo in Kenntnis gesetzt. Die Witwe, die erst ab dem Jahr 1948 in den Genuss ihrer Leibrente für das im Jahr 1938 zwangsverkaufte Haus kam, starb 1964 in Salzburg.

Im Parterre des Hauses Mirabellplatz 6 existierten bis zum Jahr 1938 zwei jüdische Geschäfte:

Oswald LÖWYs Kurz-, Wirk- und Spielwaren (zu den Schicksalsverläufen der Familie LÖWY siehe Stolperstein Franz-Josef-Straße 12) und eine Filiale des Wiener Kleiderhauses Zum Matrosen, das Leon und Julius Abrahamer gehörte. Adolf Aron WEISS, ein Jude, der über drei Jahrzehnte Salzburger Filialleiter war und mit seiner katholischen Ehefrau noch unter dem NS-Regime in Salzburg, Vierthalerstraße 5, wohnte, starb hier am 6. November 1944 an Unterernährung, bestattet in der »Gruft der Vergessenen«.

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Mirabellplatz 5 (Kirche St. Andrä) 90m 90m, 350°  Zeiss, Franz
Mirabellplatz 1 102m 102m, 167°  Rosenkranz, Franz
Köck, Ferdinand
Mirabellplatz 5 (Kirche St. Andrä) 102m 102m, 167°  Wesenauer, Franz
Paris-Lodron-Straße 3a 107m 107m, 102°  Mensjuk, Paraska
Rainerstraße 2 123m 123m, 334°  Herz, Irma
Stuchly, Anna
Witternigg, Josef

Stolperstein

verlegt am 22.06.2009 in Salzburg, Mirabellplatz 6.

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