Paraska Mensjuk

ZWANGSARBEIT
PARASKA MENSJUK
JG. 1923
UKRAINE
GESTAPO-HAFT 27.6.1944
ERMORDET 30.6.1944
SALZBURG
Kennzeichnung der »Ostarbeiter«<br>
Foto: Stadtarchiv Salzburg
Kennzeichnung der »Ostarbeiter«
Foto: Stadtarchiv Salzburg

Paris-Lodron-Straße 3a

Mensjuk, Paraska

Paraska MENSJUK, geboren am 25. Oktober 1923 im Dorf Wilschenko bei Kiew in der Ukrainie, war griechisch-orthodox, ledig und 18 Jahre alt, als sie im Kriegsjahr 1942 erstmals als »Hausmädchen« in Salzburg durch die Meldepolizei registriert wird. Die junge Frau zählte zu den aus den besetzten sowjetischen Gebieten verschleppten »Ostarbeiterinnen«, die auf ihrer linken Brustseite das Kennzeichen »OST« zu tragen und in politisch »zuverlässigen« (nationalsozialistischen) Privathäusern Zwangsarbeit zu verrichten hatten.

Dokumentiert ist, dass Paraska MENSJUK, die zuletzt dem Herrn Direktor Rudolf Hansemann im Haus der Reichsbanknebenstelle Salzburg1 zu dienen hatte, am 27. Juni 1944 von der Gestapo verhaftet und verhört wurde und nach drei Tagen tot war. Am 30. Juni 1944 erlag die 20-jährige Frau im Landeskrankenhaus Salzburg ihren schweren Verletzungen: »Contusio cerebri« oder Hirnprellung, entstanden durch Gewalteinwirkung auf den Kopf. Überdies bestand »Verdacht auf Nierenquetschung« – laut Totenschein: ein einzigartiges Dokument des NS-Regimes mit exakten Daten und Todesursachen eines Terroropfers.

Bei einem weiteren ukrainischen »Hausmädchen«, das im Haushalt des Direktors der Reichsbanknebenstelle arbeiten musste, ist hingegen im Polizeimelderegister der Stadt Salzburg bloß ein Wort handschriftlich hinzugefügt: »Haft«. Die Lebensspuren der am 3. Juli 1944 von der Gestapo verhafteten 19-jährigen Maria Galeckaja mit dem Kennzeichen »OST« verlieren sich im Polizeigefängnis. Ihr Lebensverlauf bleibt selbst dann im Dunkeln, wenn die junge Frau in das KZ Ravensbrück deportiert wurde, weil die SS alle Zeugnisse ihrer Verbrechen inklusive des Totenbuchs in den letzten Kriegstagen vernichtete.

Die ukrainische »OST«-Arbeiterin, die als »Hausmädchen« unter dem NS-Regime in Salzburg spurlos verschwand, ist allerdings kein Einzelfall. Eine Personensuche anhand der im Melderegister handgeschriebenen Vor- und Zunamen bringt schon wegen der fragwürdigen Übertragung der Namen von der kyrillischen in die deutsche Schreib- oder Kurrentschrift schwerlich ein Ergebnis. Nicht gewiss ist überdies, dass die Geburtsdaten der Betroffenen stimmen.

1 Haus Paris-Lodron-Straße 3a, Eigentümer Deutsche Reichsbank Berlin, ehemalige Österreichisch-Ungarische Bank

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Paris-Lodron-Straße 5 50m 50m, 63°  Fischer, Maria
Paris-Lodron-Straße 6 68m 68m, 119°  Kurz, Maria
Mirabellplatz 6 107m 107m, 282°  Müller, Rudolf Erich
Mirabellplatz 1 113m 113m, 226°  Rosenkranz, Franz
Köck, Ferdinand
Mirabellplatz 5 (Kirche St. Andrä) 113m 113m, 226°  Wesenauer, Franz

Stolperstein

verlegt am 14.07.2015 in Salzburg, Paris-Lodron-Straße 3a.

DE EN