Alida Miniussi

ALIDA MINIUSSI
JG. 1923
IM WIDERSTAND
VERHAFTET JAN. 1944 
DEPORTIERT 4.2.1944
RAVENSBRÜCK
ERMORDET 1945
Häftlings-Personal-Karte von Alida Miniussi aus dem KZ Mauthausen<br>Quelle: arolsen-archives.org
Häftlings-Personal-Karte von Alida Miniussi aus dem KZ Mauthausen
Quelle: arolsen-archives.org

Rudolfsplatz 3

Bonciani, Goffredo Faist, Julius Ferfolja, Anna Fumeo, Angela Gomez-Rodriguez, Rafael Köchl, Josefa Mikulandra, Bozo Miniussi, Alida Pfriemer, Katharina Poggesi, Vasco Schallmoser, Margarethe Schmidberger, Berta Schneider, Anna Subota, Wladimir Tischler, Franziska Verschleisser, Federica Verschleisser, Regine Weissberger, Otto

Anfang Februar 1944 waren drei Frauen ausländischer Herkunft, Sloweninnen, Italienerinnen oder Friulanerinnen, im Polizeigefängnis der Stadt Salzburg inhaftiert:

Alida MINIUSSI, geboren am 9. März 1923 in Monfalcone (slowenisch Tržič) in der Friaul, Friul oder Furlanija

Anna FERFOLJA (oder FERFOGLIA), geboren am 6. Juni 1925 in Gorizia (slowenisch Gorica, deutsch Görz)

Angela FUMEO (Geburtsname vermutlich Ambrosic), geboren am 30. April 1900 in Idria (slowenisch Idrija), verheiratet, zuletzt in Istrien, Cittanova d’Istria (kroatisch Novigrad)

Ihre Namen finden wir allerdings nicht unter den Terroropfern, die in der 1991 publizierten Dokumentation Widerstand und Verfolgung in Salzburg oder in der Opferdatenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) aufscheinen.

Verbürgt ist jedoch, dass Anna FERFOLJA, Angela FUMEO und Alida MINIUSSI am 4. Februar 1944 von Salzburg in das Frauen-KZ Ravensbrück deportiert wurden, aber nicht direkt über Linz und Prag, sondern – vermutlich irrtümlich – in einem Sammeltransport über Mauthausen nach Ravensbrück. Andernfalls lägen die Verfolgungsgründe noch im Dunkeln.

Das Konzentrationslager Mauthausen ließ nämlich »Häftlings-Personal-Karten« mit zusätzlichen Daten der drei Frauen anfertigen. Damit ist dokumentiert, dass Anna FERFOLJA, Angela FUMEO und Alida MINIUSSI italienische Staatsangehörige waren, die als politische Häftlinge am 30. Jänner 1944 in Triest von der SS (Sipo und SD) in das KZ Ravensbrück »eingewiesen« wurden.

In der besetzten italienischen Hafenstadt Trieste befand sich seit September 1943 die von Odilo Globocnik als »Höherem SS- und Polizeiführer« geleitete Zentrale der »Operationszone Adriatisches Küstenland« zur Verfolgung von Juden und zur Bekämpfung von Partisanen in der Friaul, in Istrien und im Karst.

SS-Gruppenführer Odilo Globocnik, ein in Triest geborener Österreicher, war verantwortlich für Geiselerschießungen, für Folter und Morde im KZ Risiera di San Sabba und für Deportationen von politischen und jüdischen Häftlingen – mit Zwischenstation in Salzburg.

Am 15. Februar 1944 registrierte das KZ Ravensbrück den Zugang der 19-jährigen Anna FERFOLJA, der 44-jährigen Angela FUMEO und der 21-jährigen Alida MINIUSSI mit den Häftlingsnummern 28744, 28745 und 28746.

Das gewaltsame Ende der als Partisaninnen verfolgten Frauen ist ungeklärt, da die SS vor der Befreiung von Ravensbrück am 30. April 1945 alle Zeugnisse ihrer Verbrechen inklusive des Totenbuchs vernichtete.

Zu Alida MINIUSSI, die ihre Befreiung nicht erlebte, konnten italienische Forscher biografische Lücken schließen:

Miniussi Alida. Era nata a Monfalcone il 9 marzo del 1923. L'anno dopo la marcia su Roma. Crebbe sotto il fascismo, figlia di Giovanni e Vrech Maria, nata e residente a Monfalcone. Era casalinga. E giovanissima, ventenne, decise, come tante altre sue coetanee, di schierarsi tra le fila partigiane per liberare i nostri luoghi dall'invasore nazifascista. Fece parte della gloriosa intendenza Montes. Quella Montes del comandante Sasso che ora riposta lì, nella sua città, con i suoi compagni monfalconesi.
Risultò essere dispersa il 15 febbraio del 1944 in campo di sterminio a Ravensbruck, il principale lager nazista femminile della Germania, lo stesso campo da cui riuscì a fuggire Ondina Peteani. Alida, deportata dalla città di Monfalcone, aveva praticamente solo 21 anni, che non riuscì a festeggiare per un solo mese, perché strappata precocemente alla vita. Non è stata l'unica donna partigiana di Monfalcone a perdere la vita durante la guerra di liberazione.
(Blog di Barone Marco, novembre 18, 2019)

Miniussi Alida. Sie wurde am 9. März 1923 in Monfalcone geboren. Das Jahr nach dem Marsch auf Rom. Sie wuchs im Faschismus als Tochter von Giovanni und Vrech Maria auf, geboren und wohnhaft in Monfalcone. Sie war eine Hausfrau. Als sie noch sehr jung war, in ihren Zwanzigern, beschloss sie, wie viele andere in ihrem Alter, sich den Partisanen anzuschließen, um unsere Region vom nazifaschistischen Eindringling zu befreien. Sie war Teil der glorreichen Montes-Verwaltung. Jener Montes des Kommandanten Sasso, der jetzt in seiner Stadt mit seinen monfalkanischen Kameraden ruht.
Sie wird seit dem 15. Februar 1944 im Vernichtungslager Ravensbruck vermisst, dem wichtigsten Frauenlager der Nazis in Deutschland, aus dem Ondina Peteani entkommen konnte. Alida, die aus der Stadt Monfalcone deportiert wurde, wurde praktisch nur 21 Jahre alt, was sie keinen einzigen Monat lang feiern konnte, weil sie zu früh aus dem Leben gerissen wurde. Sie war nicht die einzige Partisanin aus Monfalcone, die während des Befreiungskrieges ihr Leben verlor.
(Blog di Barone Marco, novembre 18, 2019)

Schließlich ist noch festzuhalten, dass die Gestapo Salzburg über 100 Frauen ausländischer Herkunft von Salzburg nach Ravensbrück deportieren ließ, wie aus dem fragmentarisch überlieferten Haftbuch des Polizeigefängnisses der Stadt Salzburg hervorgeht.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Nonntaler Hauptstraße 1 36m 36m, 155°  Weil, Angela
Rudolfskai 52 98m 98m, 322°  Schulhof, Alfred
Chiemseegasse 6 295m 295m, 278°  Schönberg, Heinrich
Krotachgasse 2 299m 299m, 270°  Vitzthum, Anna
Chiemseegasse 302m 302m, 278°  Rehrl, Franz

Stolperstein

verlegt am 18.10.2021 in Salzburg, Rudolfsplatz 3.

DE EN