Ernst Pickl

ERNST PICKL
JG. 1924
KRIEGSDIENST VERWEIGERT
VERSTECKT GELEBT
VERHAFTET 
TODESURTEIL 25.1.1945
HINGERICHTET 8.3.1945
GLANEGG

Rudolfsplatz 2

Kowatsch, Ferdinand Pickl, Ernst Pironi, Pietro Sbigoli, Giuliano Schmidberger, Hilde Seywald, Franz Sottili, Remo

Ernst PICKL, geboren am 13. August 1924 in Embach bei Lend, Bezirk Zell am See, und dort katholisch getauft, war das jüngste von zehn oder elf Kindern des Ehepaares Anna und Alexander Pickl, eines Fabrikarbeiters. Die Eltern starben schon vor dem »Anschluss« 1938.

Ernst besuchte die Volkschule, erlernte keinen Beruf und war zuletzt Landarbeiter. Im Kriegsjahr 1943 wurde er 19-jährig zur Deutschen Wehrmacht einberufen. Bei einem Einsatz im besetzten Italien zur Bekämpfung von Partisanen entfernte sich Ernst PICKL unerlaubt von seiner Truppe. Er wurde bald darauf festgenommen und zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, die er im Wehrmachtsgefängnis von Freiburg im Breisgau verbüßen sollte.

Es gelang ihm aber im November 1944 zu flüchten und sich in Gebirgsorten des Landes Salzburg zu verstecken. Es heißt, dass er auf seiner über zwei Monate dauernden Flucht Diebstähle begangen habe – eine Straftat, die nach einer nationalsozialistischen Kriegsverordnung als »Ausnutzung des Kriegszustandes« und somit als »strafschärfend« galt. Die Beraubung der besetzten Länder durch das NS-Regime fiel hingegen nicht unter das Kriegsstrafrecht.

Der Anfang des letzten Kriegsjahres verhaftete Ernst PICKL wurde am 25. Jänner 1945 im Justizgebäude des Landesgerichtes Salzburg durch das Kriegsgericht der Division 418 (Dr. Ferdinand Voggenberger als Ankläger und Dr. Erich Peyrer-Heimstätt als Richter) wegen Fahnenflucht und Diebstahls zum Tode verurteilt. Daraufhin richtete PICKLS Verteidiger eine »Gnadenbitte« an den »Reichsführer SS« Heinrich Himmler als »Oberbefehlshaber des Ersatzheeres«.

Dessen Antwort lautete:

Ich bestätige das Urteil. Einen Gnadenerweis lehne ich ab. Das Urteil ist zu vollstrecken. Feldkommandostelle, den 23. 2. 1945. Der Reichsführer SS und Oberbefehlshaber des Ersatzheeres: gez. H. Himmler

Laut den Militärmatriken der Erzdiözese Salzburg wurde Ernst PICKL 20-jährig am 8. März 1945 in Glanegg bei Salzburg erschossen. Er zählt zu den ehr- und namenlos gemachten Opfern der Kriegsjustiz, die weder in der 1991 publizierten Dokumentation Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934-1945 noch in der Opferdatei des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) aufscheinen.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer
Recherche:Esche Schörghofer

Benachbarte Stolpersteine

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Griesgasse 1 25m 25m, 296°  Rehrl, Johann
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Alter Markt 12 93m 93m, 161°  Schwarz, Walter
Brodgasse 1 94m 94m, 134°  Gruber, Rudolf

Stolperstein

verlegt am 26.09.2018 in Salzburg, Rudolfsplatz 2.

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