Franz Reiter

HIER WOHNTE
FRANZ REITER
JG. 1903
ZEUGE JEHOVAS
KRIEGSDIENST VERWEIGERT
BERLIN-PLÖTZENSEE
HINGERICHTET 6.1.1940
Franz Reiter<br>
Foto: Archiv Zeugen Jehovas, Heidi Gsell
Franz Reiter
Foto: Archiv Zeugen Jehovas, Heidi Gsell

Auerspergstraße 48

Reiter, Franz

Franz REITER, geboren am 28. April 1903 in Munderfing, Bezirk Braunau, war Zeuge Jehovas. Er lebte seit 1928 in Salzburg, arbeitete in der Gastwirtschaft als Schankbursche und wohnte zuletzt als Untermieter bei der Hausmeisterin Käthe Ellmauer im Haus Auerspergstraße 48.

Der 36-jährige Franz REITER, vulgo »Pinzgerl«, der zu Beginn des Weltkrieges den Kriegsdienst aus Glaubensgründen verweigerte, wurde am 24. November 1939 vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und am 6. Jänner 1940 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee geköpft.1 Am Tag seiner Hinrichtung schrieb er noch einen Abschiedsbrief an seine Familie:

Meine liebe Mutter und lieben Geschwister! […] Ich habe heute mein Urteil erhalten, und erschreckt nicht, es lautet auf Tod und wird morgen früh ausgeführt. Ich habe meine Stärke von Gott erhalten, so wie es auch jedem wahren Christen gegangen ist von jeher. Die Apostel schreiben, wer von Gott geboren ist, kann nicht sündigen, und so auch ich. Das hab ich Euch bezeugt, und Ihr habt es erkennen können. Meine Lieben alle, macht Euch kein schweres Herz. Es wäre für Euch alle gut, die Heilige Schrift besser zu kennen, wenn Ihr alle standhaft seid bis in den Tod, so können wir uns ja bei der Auferstehung wiedersehen. Ich empfehle meinen Geist dem Höchsten, der darüber verfügt. […] Euer Franz auf Wiedersehen.

1 Am 6. Jänner 1940 wurden in Berlin-Plötzensee noch vier Zeugen Jehovas aus dem Bundesland Salzburg hingerichtet: Johann Ellmauer, Gottfried Herzog, Franz MITTENDORFER und Johann Nobis; am 26. Jänner 1940 folgte ihnen Matthias Nobis. Mit den beiden in Glanegg erschossenen Salzburgern Johann PICHLER und Josef WEGSCHEIDER sind es acht mittlerweile rehabilitierte Kriegsdienstverweigerer aus Glaubensgründen. Dank der Initiative von Andreas Maislinger, Gründer des Vereines Gedenkdienst, konnten bereits am 19. Juli 1997 für die beiden hingerichteten Brüder Johann und Matthias Nobis vor ihrem Geburtshaus in St. Georgen bei Salzburg Stolpersteine verlegt werden.

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Rupertgasse 4 71m 71m, 38°  Aschenbrenner, Margarethe
Vierthalerstraße 5 107m 107m, 213°  Weiss, Adolf Aron
Franz-Josef-Straße 33 107m 107m, 257°  Leitner, Juliana
Bayerhamerstraße 5 112m 112m, 89°  Kritzinger, Michael
Auerspergstraße 49 123m 123m, 334°  Bammer, Therese

Stolperstein

verlegt am 23.03.2012 in Salzburg, Auerspergstraße 48.

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