Amalie Rosenfeld

HIER WOHNTE
AMALIE ROSENFELD
GEB. ADLER
JG. 1873
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET
Meldeschein von Amalie Rosenfeld
Meldeschein von Amalie Rosenfeld

Schallmooser Hauptstraße 6

Rosenfeld, Amalie

In der einst selbständigen Arbeiter- und Eisenbahnergemeinde Gnigl-Itzling, seit 1935 Stadtteile der Landeshauptstadt Salzburg, lebte rund drei Jahrzehnte bloß eine jüdische Familie: das Ehepaar Eduard (Elias) ROSENFELD, geboren am 18. Mai 1861 in Wien, und Amalie, geborene Adler, geboren am 6. Jänner 1873 in Baden bei Wien, und ihre am 27. Juli 1905 in Itzling geborene Tochter Flora. Ihre Wohnung und ihr Geschäft, Altwaren- und Kleiderhandel, befanden sich in der Itzlinger Hauptstraße und in den 1920er Jahren im Haus Wildenhoferstraße 6, das ihr Eigentum war.

Eduard ROSENFELD, der schwer erkrankte, starb 1929 in Wien, er wurde in der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs bestattet. Die Witwe und ihre Tochter, die ihr Haus wohl aus wirtschaftlichen Gründen verkaufen mussten, übersiedelten im Jahr 1930 in die Stadt Salzburg, Goldgasse 17, gegenüber dem Haus Goldgasse 16, wo die beiden ein Modegeschäft führten. Mutter und Tochter, die sowohl die Wirtschaftskrise als auch den wachsenden Antisemitismus zu spüren bekamen, wohnten zuletzt im Haus Schallmooser Hauptstraße 6, 1. Stock, das beide nach der »Reichskristallnacht« vom 9. auf den 10. November 1938 verlassen mussten – ein Salzburger SS-Mann war Nutznießer dieser Vertreibung.

Aus der Meldekartei der Stadt Wien geht hervor, dass sich die 34-jährige Flora ROSENFELD, die zuletzt im 6. Bezirk, Stumpergasse 48/3/29, wohnte, am 31. Juli 1939, nach England abmeldete. Dort verlieren sich allerdings ihre Spuren. Ihre 66-jährige Mutter, die offensichtlich kein Visum bekam, blieb in Wien und wohnte zuletzt im 2. Bezirk, Zirkusgasse 41/8, in einer »Sammelwohnung«, deren Parteien zur Deportation bestimmt waren.

Amalie ROSENFELD wurde am 28. Juli 1942 – im »Transport 34« die ebenfalls aus Salzburg vertriebene Anna Pollak – von Wien nach Theresienstadt und am 21. September 1942 – im »Transport Bp« wieder gemeinsam mit Anna POLLAK, außerdem mit Anna STUCHLY und Therese SPIEGEL, Frauen aus Salzburg im Alter von 68 bis 70 Jahren – nach Treblinka deportiert, dort ermordet.1

Bekannt ist noch, dass Amalie ROSENFELDS jüngerer Bruder Eugen Adler in Minsk ermordet wurde. Das Grab ihrer früh verstorbenen Eltern Flora, geborene Arnstein, und Jakob Adler befindet sich in der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs. Im September 2014 ergaben Recherchen, dass Amalie ROSENFELDS Tochter Flora, deren Schicksal bislang unbekannt war, im Juni 1980 unter dem Namen Rosenfield in Brent bei London starb.

1 Adolf Eichmann erhielt am 11. Jänner 1943 einen verschlüsselten Funkspruch des SS-Sturmbannführers Hermann Höfle mit den Zahlen der bis Jahresende 1942 in Lublin-Majdanek, Sobibor, Belzec und Treblinka ermordeten Juden: »… zusammen 1274166«. Der vom britischen Geheimdienst entschlüsselte und unter Verschluss gehaltene Funkspruch wurde erst im Jahr 2000 freigegeben. Hierauf kam die Rolle des Salzburgers Hermann Höfle wieder zur Sprache (Peter Witte, Stephen Tyas: A new Document on the Deportation and Murder of Jews during ‚Einsatz Reinhard’ 1942, in: Holocaust and Genocide Studies 15/3, pp. 468-486). Der am 19. Juni 1911 in Itzling (einst Gemeinde Gnigl) geborene Hermann Höfle war Mechaniker und Chauffeur in Salzburg, im November 1938 aktiv Beteiligter am Pogrom, auch Nutznießer der Vertreibung Salzburger Juden (die von Adolf JACOBY geräumte Wohnung im Haus Hubert Sattler-Gasse 13 war bis 1946 von der Familie Höfle besetzt) und während des Vernichtungskrieges »Judenreferent« im Stabe des Höheren SS- und Polizeiführers Odilo Globocnik, in dieser Funktion Organisator der »Aktion Reinhard«, somit einer der Hauptverantwortlichen der Judenvernichtung im »Generalgouvernement«. Hermann Höfle, der im Jahr 1947 zu seiner Familie nach Salzburg zurückkehrte und zuletzt in Parsch lebte, sollte sich im Zuge des Eichmann-Prozesses seiner Verantwortung für die Shoah stellen: Höfle erhängte sich am 21. August 1962 in seiner Gefängniszelle in Wien (siehe: Winfried R. Garscha: Das Scheitern des ‚kleinen Eichmann-Prozesses’ in Österreich).

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Schallmooser Hauptstraße 8 39m 39m, 73°  Ranzenberger, Hubert
Vierthalerstraße 5 100m 100m, 296°  Weiss, Adolf Aron
Schallmooser Hauptstraße 12 100m 100m, 63°  Kampfer, Johann
Auerspergstraße 48 136m 136m, 347°  Reiter, Franz
Glockengasse 8 138m 138m, 76°  Kendlhofer, Johann

Stolperstein

verlegt am 23.06.2009 in Salzburg, Schallmooser Hauptstraße 6.

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