Hermann Rubenkes Hoerstolperstein

HIER WOHNTE
HERMANN RUBENKES
JG. 1901
DEPORTIERT 25.6.1938
DACHAU
1940 BUCHENWALD
ERMORDET 12.3.1942
BERNBURG/SAALE
Meldeschein von Hermann Rubenkes
Meldeschein von Hermann Rubenkes

Werkstättenstraße 14

Rubenkes, Hermann

Hermann »Harri« RUBENKES, geboren am 10. Juli 1901 in Wien, war ein Sohn des aus Galizien stammenden jüdischen Ehepaares David und Berta RUBENKES und von Beruf Schlosser und Maschinentechniker. Er arbeitete seit den 1920er Jahren in Deutschland und wurde als Jude unter der nationalsozialistischen Herrschaft im September 1934 nach Österreich ausgewiesen. Er lebte seither in Salzburg, fand hier aber keine feste Anstellung und konnte sich bloß mit Gelegenheitsjobs in jüdischen Häusern über Wasser halten. Für das Verteilen von Reklamezetteln bekam er drei Schilling pro Tag. Anspruch auf staatliche Unterstützung hatte er nicht.

Hermann RUBENKES zählte zu den Arbeitslosen, die sich der kommunistischen Widerstandsbewegung gegen den österreichischen Faschismus in den Jahren 1934 bis 1938 anschlossen. Seine Genossen nannten ihn »Harri«: sein Deckname in der Illegalität. Die politische Agitation der Kommunisten im Haus Glockengasse 8, in der damaligen »Arbeitslosen-Ausspeiserei« der Stadt Salzburg1, war seit Beginn des Jahres 1938 aktenkundig. Im Bericht der Bundespolizeidirektion Salzburg vom 20. Februar 1938 wurden zehn Verhaftete, die der Landesleitung der verbotenen Kommunistischen Partei (KPÖ) angehörten, aufgelistet, darunter Hermann RUBENKES mit seinen Personaldaten inklusive Glaubensbekenntnis, letzteres abgekürzt: »mos.« (mosaisch) – unter den politisch Verfolgten in Salzburg der einzige Jude.2

RUBENKES wurde noch im Februar 1938 im Zuge der österreichischen Amnestie für politische Gefangene freigelassen und wohnte hernach als Untermieter im Stadtteil Itzling, Werkstättenstraße 14. Bei seiner Anmeldung deklarierte er sich als »bekenntnislos«, vermutlich in der Annahme, damit einer weiteren Verfolgung zu entgehen. Er war aber nach wie vor Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Außerdem ließ sich seine Religionszugehörigkeit nicht verheimlichen, da diese in den Polizei- und Justizakten aufschien. Er war zwar nicht vorbestraft, jedoch als Jude und Kommunist »amtsbekannt«, weshalb seine Freiheit von kurzer Dauer war. Der erste Deportierte des organisierten Widerstandes unter dem NS-Regime in Salzburg war Jude, weil er Jude war.

Hermann RUBENKES wurde am 20. Juni 1938 verhaftet, am 25. Juni 1938 vom Polizeigefängnis in Salzburg ins KZ Dachau deportiert und dort als Jude und »AZR«-Häftling3 Nr. 17129 registriert. Am 11. Dezember 1940 wurde er ins KZ Buchenwald überstellt und als Häftling Nr. 5514 registriert. Der dort bescheinigte Tod des Häftlings am 25. März 1942 im KZ Buchenwald ist nicht richtig. Der 40-jährige Hermann RUBENKES zählte vielmehr zu jenen Häftlingen, die im Zuge der »Sonderbehandlung 14f13«4 am 12. März 1942 in der Tötungsanstalt Bernburg an der Saale vergast wurden.

Die Urne mit der Asche des ermordeten Juden wurde nach Wien geschickt, mit verrechneten Kosten, beglichen von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, und laut Protokoll am 14. Juli 1942 »ohne Partei«, demnach in Abwesenheit von Trauernden, in der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs beigesetzt (IV/18a/21/29). Dort befindet sich auch das Grab seiner 1920 verstorbenen Mutter Berta (Scheindl Rebekka). Die Schicksale seiner übrigen Verwandten sind wegen der spärlichen Daten ungeklärt. Außerdem sind keine Opferfürsorgeakten von Überlebenden oder Hinterbliebenen vorhanden. In den Shoah-Datenbanken steht beim einprägsamen Namen Hermann RUBENKES der Vermerk: »letzte bekannte Wohnadresse Salzburg«.

1 jetzt Haus der Stadtgeschichte, Sitz des Stadtarchivs Salzburg

2 Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 – 1945, Band 1, S. 124, 133f., ohne Hinweis auf die Schicksalsverläufe der politisch verfolgten Kommunisten

3 Häftlingskategorie »AZR«: Abkürzung für »Arbeitszwang Reich«

4 »Sonderbehandlung 14f13«: »14« = Inspekteur der Konzentrationslager, »f« = Todesfälle, »13« = Vergasung in Tötungsanstalten der »T-4«-Organisation. In der »T-4«-Tötungsanstalt Bernburg an der Saale wurde auch die Jüdin Josefine SCHNEIDER vergast, die in Salzburg wegen ihrer kommunistischen Aktivität verfolgt worden war.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer
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Benachbarte Stolpersteine

Werkstättenstraße 12 22m 22m, 180°  Belousov, Johann
Kreuzstraße 9 74m 74m, 233°  Reindl, Anton
Reindl, Anna
Kreuzstraße 14 83m 83m, 159°  Emminger, Karl
Kreuzstraße 7 99m 99m, 235°  Thalhammer, Josef
Mittelstraße 3 109m 109m, 204°  Neudorfer, Franz

Stolperstein

verlegt am 22.03.2012 in Salzburg, Werkstättenstraße 14.

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