Hedwig Schaffgotsch

HIER WIRKTE
HEDWIG 
SCHAFFGOTSCH
JG. 1889
CHOREOGRAFIN
FLUCHT 1938
KROATIEN, ITALIEN

Max-Reinhardt-Platz

Anday, Rosette Bokor, Margit Buxbaum, Friedrich Fischer, Paul Graf, Herbert Horner, Harry Kipnis, Alexander Kleiber, Erich Lehmann, Lotte Leinsdorf, Erich Moissi, Alexander Paalen, Bella Pauly, Rose Reinhardt, Max Rosé, Alma Rosé, Arnold Schaffgotsch, Hedwig Schöne, Lotte Schumann, Elisabeth Stössel, Ludwig Stwertka, Julius Thimig, Helene Toscanini, Arturo Walla, Marianne Wallerstein, Lothar Wallmann, Margarete Walter, Bruno Wittgenstein, Paul

Hedwig SCHAFFGOTSCH (Hede SCHAFFGOTSCH-NILSON), geborene Vetter, am 25. November 1889 in Altona geboren, war das jüngere von zwei Kindern des Ehepaares Sophie, geborene Schlomingk, und Christian Vetter.

Hedwigs Mutter war Jüdin. Sie starb im Mai 1938 in Hamburg.

Hedwigs erster Ehemann Einar Nilson war Max REINHARDTs Hauskomponist und musikalischer Leiter in Berlin und Salzburg. Nilson komponierte auch die Musik für die Jedermann-Inszenierung auf dem Salzburger Domplatz.

Weniger bekannt ist hingegen, dass Nilsons Ehefrau Hedwig von 1920 bis 1937 die Tänze für den Salzburger Jedermann einstudierte. Ihr Name ist daher ebenfalls im »Leading Team« der Jedermann-Aufführungen verzeichnet.

Das Künstlerpaar hatte einen Sohn: Nils Christian, geboren 1918 in Berlin. Er blieb, als sich seine Eltern scheiden ließen, zunächst bei seiner Mutter. Im Dezember 1926 heiratete sie im Salzburger Dom den um dreizehn Jahre jüngeren Franz Gotthard SCHAFFGOTSCH, Spross einer Adelsfamilie und Lebenskünstler, Zeichner, Illustrator und Bühnenbildner.

Während der österreichischen Diktatur von 1933 bis 1938 waren Hedwig und Franz SCHAFFGOTSCH allerdings auch politisch aktiv. Der Ehemann fungierte als »Landesjugendführer« und seine Frau arrangierte patriotische Feiern und Feste für »Jung-Vaterland«, wofür sie ausgezeichnet wurden.

Im Jahr 1938 hatte das Ehepaar SCHAFFGOTSCH allen Grund, nach einer Italien-Reise nicht in das nationalsozialistische Salzburg zurückzukehren. Die beiden wurden aber auf ihrer Flucht im faschistischen Kroatien verhaftet und in Dubrovnik interniert. Der Ehemann erkrankte dort an Typhus und starb 40-jährig am 21. Dezember 1942.

Hedwig SCHAFFGOTSCH überstand die Terrorjahre als Lazarett-Helferin in Italien. In Turin konnte sie zu ihrer freudigen Überraschung ihren Sohn Nils C. Nilson, der als Schiffssteward in die USA emigrierte und als Soldat der US-Army an der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus teilnahm, nach achtjähriger Trennung wiedersehen.

Im befreiten Salzburg fand Hedwig SCHAFFGOTSCH kein Zuhause mehr, auch keine Freunde, die ihr noch gewogen waren.

Sie lebte fortan in München und publizierte hier 1949 ihre Erinnerungen an die Fluchtjahre unter dem Titel Die Liebenden sind alle von einer Nation – Ein Frauenschicksal.

Am 17. Februar 1977 starb Hedwig SCHAFFGOTSCH 87-jährig in München.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

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Stolperstein

verlegt am 17.08.2020 in Salzburg, Max-Reinhardt-Platz.

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