Walter Schwarz Hoerstolperstein

HIER ARBEITETE
WALTER SCHWARZ
JG. 1884
VERHAFTET AUG. 1938
GESTAPOHAUPTSTELLE
MÜNCHEN
TOT 1.9.1938
Walter Schwarz
Walter Schwarz
»Neue Galerie Salzburg«, gegründet von Walter Schwarz
»Neue Galerie Salzburg«, gegründet von Walter Schwarz
1938: Boykott der Judengeschäfte<br>Foto: Stadtarchiv, Fotoarchiv Franz Krieger
1938: Boykott der Judengeschäfte
Foto: Stadtarchiv, Fotoarchiv Franz Krieger

Alter Markt 12

Schwarz, Walter

Walter schwarz, geboren am 30. Dezember 1884 in Wien, war das zweite von sechs Kindern des jüdischen Ehepaares Amalie, geborene Goldmann, und Samuel Löbl schwarz, der im Jahr 1881 die Firma S. L. schwarz am Jakominiplatz in Graz gegründet hatte. Dort befand sich das Stammhaus des 1908 in Salzburg, Alter Markt 12 (damals Ludwig Viktorplatz), eröffneten Kaufhauses S. L. schwarz. Bis zum Gewaltjahr 1938 war Walter schwarz in Salzburg Gesellschafter und Geschäftsleiter sowie Miteigentümer der Liegenschaften Alter Markt 12, Kranzlmarkt 4 und Sigmund Haffnergasse 3, die unter dem NS-Regime durch die Salzburger Sparkasse enteignet wurden.

Im Haus Alter Markt 12 befand sich außerdem die von Walter schwarz im Jahr 1919 gegründete Neue Galerie, in der Werke moderner Maler wie Egon Schiele, Felix Albrecht Harta, Anton Faistauer und speziell Werke der Künstlergruppe Der Wassermann zu sehen waren. Im Gewaltjahr 1938 wurde die Kunstsammlung des Mäzens Walter schwarz geraubt.1

Er hatte persönlichen Kontakt zu Stefan ZWEIG, der ebenfalls der Künstlergruppe Der Wassermann nahestand, Kunst- und Autografensammler war. Bekannt ist, dass Walter schwarz seinem in politische Bedrängnis geratenen Freund Stefan ZWEIG behilflich war, im Februar 1934 den wesentlichen Teil seiner in Salzburg aufbewahrten Korrespondenz nach Jerusalem in die jüdische Nationalbibliothek auszulagern.2

Walter schwarz war in den Jahren 1922 bis 1924 Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, blieb aber bis Jänner 1935 Obmann der Zionistischen Ortsgruppe Salzburg. Er musste diese Funktion wegen beruflicher Überlastung zurücklegen, wie es hieß.3 Dafür waren auch private Gründe entscheidend, da Walter schwarz im Juni 1934 seinen Wohnsitz in Salzburg-Elisabethvorstadt, Purtschellergasse 12, auflöste.4 Walter schwarz war mit Dora, einer Tochter von Hugo schwarz und Flora Hohenberg aus Innsbruck, verheiratet, aus deren Ehe die Kinder Hugo (1913), Rafael (1920) und Benjamin (1923) hervorgingen. Seine Ehefrau Dora, eine Zionistin, emigrierte mit ihren Söhnen Rafael und Benjamin schon Anfang der 30er Jahre nach Palästina (1948 Israel). Ihr älterer Sohn Hugo, der im März 1932 an den Sportwettkämpfen der ersten Maccabia in Tel Aviv teilnahm, blieb ebenfalls in Palästina.

Walter schwarz, der nach der Trennung von seiner Frau Dora offiziell in Linz, Domgasse 5 – er war Miteigentümer –, wohnte, aber in Salzburg Geschäftsleiter blieb, wurde im März 1938 verhaftet, freigelassen, im August 1938 abermals verhaftet, in der Gestapohauptstelle München, Briennerstraße 50, inhaftiert, wo er 53-jährig am 1. September 1938 Suizid beging – laut Totenschein des Polizeiarztes: eine Bescheinigung der Todesart, die nicht richtig sein muss.

Seine Eltern Amalie und Samuel Löbl schwarz, die in Graz wohnten, starben 1923 respektive 1926. In Salzburg lebte außer Walter schwarz noch sein Bruder Dr. Paul schwarz, ein Jurist, verheiratet mit der in Salzburg geborenen Jüdin Paula Kölbl, deren Kinder Michael und Ernst ebenfalls in Salzburg zur Welt kamen. Walters Geschwister Max und Paul schwarz, Elsa Slataper, Frieda Scheuer und Katharina Schein, die ebenfalls Miteigentümer der Salzburger Liegenschaften und Gesellschafter der Firma S. L. schwarz waren, überlebten die Verfolgungen. 1948 wurden die enteigneten Liegenschaften restituiert, im Jahr darauf wurde das Kaufhaus schwarz wiedereröffnet und 1962 verkauft.

Nur Hugo, der älteste Sohn von Dora und Walter schwarz, kehrte nach der Befreiung Österreichs nach Salzburg zurück. Er lebte hier bis 1962, hernach in Israel und starb am 29. Oktober 1994 in Zichron Yaakov, Israel.

1 zur Enteignung und Restitution der Kunstsammlung des Walter schwarz in Linz siehe: Birgit Kirchmayr, Friedrich Buchmayr und Michael John: Geraubte Kunst in Oberdonau, Linz 2007

2 Gert Kerschbaumer: Stefan Zweig. Der fliegende Salzburger, Salzburg 2003

3 laut Mitteilungen für die jüdische Bevölkerung der Alpenländer, Redaktion in Linz, Nr. 199/1935: Von 1935 bis 1938 war Max Sonn Obmann der Zionistischen Ortsgruppe Salzburg, Max Sonn konnte nach seiner Haft im KZ Dachau im Jahr 1939 in die USA flüchten.

4 laut Melderegister der Stadt Salzburg, hernach Wohnsitz in Linz, Domgasse 5 (laut Michael John, Universität Linz)

Autor:Gert Kerschbaumer
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Stolperstein

verlegt am 21.07.2010 in Salzburg, Alter Markt 12.

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