Anna Steinwender

HIER WOHNTE
ANNA STEINWENDER
JG. 1858
DEPORTIERT 18.4.1941
SCHLOSS HARTHEIM
ERMORDET 1941
1870 bis 1940 Zigarren- und Tabakfabrik in Hallein-Burgfried, bis 1945 Rüstungsproduktion
1870 bis 1940 Zigarren- und Tabakfabrik in Hallein-Burgfried, bis 1945 Rüstungsproduktion
Foto: Gert Kerschbaumer
Foto: Gert Kerschbaumer

Lasserstraße 23

Schneider, Otto Steinwender, Anna

Anna STEINWENDER, geborene Baum, wurde am 8. Mai 1858 in Niederlindewiese bei Bad Lindewiese in Österreichisch-Schlesien (seit 1918 Tschechoslowakei, Tschechien) geboren und katholisch getauft. Ihre Eltern Vincenz und Maria-Anna Baum waren sogenannte Häusler, Kleinstbauern und Taglöhner in Niederlindewiese. Nach dem Tod der Eltern zog Anna Baum als ledige und mittellose Frau nach Hallein, wo sie in der Zigarren- und Tabakfabrik Arbeit fand und außerdem eine Schlafstelle erhielt. Die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der »Tschikweiber« von Hallein sind mittlerweile dank der solidarischen und widerständigen Frau Agnes Primocic über die Region hinaus bekannt.

1896 heiratete die 38-jährige Fabriksarbeiterin Anna Baum einen Portier der Tabakfabrik, den verwitweten Leopold Steinwender. Ihre Ehe blieb kinderlos. Beide arbeiteten bis zu ihrer Rente in der Tabakfabrik. Ihr Ehemann starb 69-jährig in Hallein-Burgfried. Die verwitwete Frau war über 70 Jahre alt, als sie Anfang der 1930er Jahre nach Salzburg zog und als Untermieterin bei Frau Antonie Sommer im Haus Lasserstraße 23 wohnte. Dieses Haus gehörte einem jüdischen Ehepaar.1

Frau STEINWENDER war seit 20. Februar 1934 Patientin der Landesheilanstalt Salzburg und zählte zu den 29 Pfleglingen, die am 18. April 1941 nach Hartheim deportiert und ermordet wurden. Der Tod der 82-jährigen Frau ist wie bei allen Opfern der nationalsozialistischen Geheimaktion »T4«2 in der Polizeimeldekartei der Stadt Salzburg nicht vermerkt. Sie hatte keine Hinterbliebenen. Zu erinnern ist außerdem an eine ehemalige, aus politischen Gründen verfolgte Arbeitskollegin in der Halleiner Tabakfabrik: an Josefine Lindorfer, die in Auschwitz ermordet wurde.

1 Die Liegenschaft Lasserstraße 23, die von 1919 bis 1932 David Rosenfeld und hernach Gisela JELLINEK gehörte, wurde 1939 von Maria Scheuba, Ehefrau eines Arztes, »arisiert« und nach der Befreiung nicht restituiert. Das Ehepaar David und Stefanie Rosenfeld, das zuletzt in Triest lebte, wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Das 1938 aus Salzburg vertriebene Ehepaar Gisela und Dr. Johann Jellinek wurde 1943 in Theresienstadt ermordet. Im Haus Lasserstraße 23 wohnte außerdem der Ballettmeister Otto SCHNEIDER, der 1939 wegen seiner sexuellen Orientierung gerichtlich verfolgt und 1941 im KZ Buchenwald ermordet wurde.

2 »T4«: benannt nach der »Euthanasie«-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Lasserstraße 24 26m 26m, 326°  Heinz, Rosalie
Stelzhamerstraße 14 117m 117m, 73°  Fröhlich, Helene
Auerspergstraße 49 125m 125m, 143°  Bammer, Therese
Lasserstraße 8 125m 125m, 116°  Altmann, Adolf
Wolf-Dietrich-Straße 33 209m 209m, 217°  Raspotnig, Rudolf

Stolperstein

verlegt am 23.03.2012 in Salzburg, Lasserstraße 23.

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