Friedrich Tischer

HIER WOHNTE
FRIEDRICH TISCHER
JG. 1920
DEPORTIERT AUG. 1944
NEUENGAMME
AUSSENKOMMANDO
KALTENKIRCHEN
TOT 13.11.1944

Königsgässchen 4

Tischer, Friedrich

Friedrich TISCHER, geboren am 27. Mai 1920 in Salzburg, war das einzige Kind des evangelisch getrauten Ehepaares Anna und Anton Tischer. Sein Vater war Portier, Nachtwächter und Bürodiener. Die nach österreichischem Recht in der Stadt Salzburg heimatberechtigte Familie wohnte unweit der Linzer Gasse im Haus Königsgässchen 4, dritte Etage.

Friedrich TISCHER, der den Beruf Tischler erlernt hatte, war zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 19 Jahre jung, damals noch gar nicht volljährig, aber schon wehrpflichtig. Er wurde zunächst zum Reichsarbeitsdienst und im Kriegsjahr 1940 zur Deutschen Wehrmacht eingezogen. Im fünften Kriegsjahr bekommen die wenigen Lebensspuren des jungen Soldaten Konturen. Unbekannt ist, ob er desertierte und bestraft wurde oder bloß als »wehrunwürdig« aus der Wehrmacht entlassen wurde, gewiss ist aber, dass er im August 1944 als Häftling Nr. 47302 im KZ-Neuengamme registriert und dem Außenkommando Kaltenkirchen in Schleswig-Holstein zugeteilt wurde, dort im Zuge der »Sonderaktion Wehrmacht« Zwangsarbeit zu verrichten hatte und am 13. November 1944 tot war, bestattet auf dem Friedhof an der Kieler Straße. Der Tod des 24-jährigen Friedrich TISCHER aus Salzburg blieb so unbemerkt, dass er nicht einmal im Polizeimelderegister seiner Geburtsstadt vermerkt ist.

Zum Zeitpunkt seines Todes war sein Vater schon zwei Monate in Salzburg inhaftiert. Bislang konnte nicht geklärt werden, ob zwischen der Verfolgung des Sohnes und der des Vaters ein Zusammenhang besteht. Tatsache ist, dass Friedrichs Vater Anton Tischer wegen »Zersetzung der Wehrkraft« angeklagt und am 23. Februar 1945 in Salzburg durch das »fliegende« Oberlandesgericht Wien zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, aber schon am 4. Mai 1945, dem Tag der Befreiung Salzburgs durch US-Truppen, freikommen konnte. Anton Tischer, der im befreiten Österreich als »Opfer des Kampfes um ein freies, demokratisches Österreich« anerkannt wurde und somit Anspruch auf Opferfürsorge hatte, starb 66-jährig in Salzburg, zwei Jahre danach seine Ehefrau Anna.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Linzer Gasse 5 39m 39m, 106°  Löwy, Ernst
Löwy, Ida
Löwy, Herbert
Dreifaltigkeitsgasse 1 56m 56m, 172°  Jellinek, Johann
Jellinek, Gisela
Linzer Gasse 6 62m 62m, 122°  Zweig, Olga
Hammer, Franziska
Makartplatz 6 68m 68m, 299°  Portheim, Eduard
Dreifaltigkeitsgasse 3 98m 98m, 142°  Bieronski, Josef
Gay, Martin
Manczak, Lech

Stolperstein

verlegt am 14.07.2015 in Salzburg, Königsgässchen 4.

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