Marianne Walla

HIER WIRKTE
MARIANNE WALLA
JG. 1905
SCHAUSPIELERIN
FLUCHT 1938
ENGLAND
Marianne Walla in <i>Der Lechner Edi schaut ins Paradies</i> – eine Inszenierung des Londoner Exiltheaters Laterndl, 1940<br> Quelle: Dokumentationsarchiv des österr. Widerstandes, Foto 8642
Marianne Walla in Der Lechner Edi schaut ins Paradies – eine Inszenierung des Londoner Exiltheaters Laterndl, 1940
Quelle: Dokumentationsarchiv des österr. Widerstandes, Foto 8642

Max-Reinhardt-Platz

Anday, Rosette Bokor, Margit Buxbaum, Friedrich Fischer, Paul Graf, Herbert Horner, Harry Kipnis, Alexander Kleiber, Erich Lehmann, Lotte Leinsdorf, Erich Moissi, Alexander Paalen, Bella Pauly, Rose Reinhardt, Max Rosé, Alma Rosé, Arnold Schaffgotsch, Hedwig Schöne, Lotte Schumann, Elisabeth Stössel, Ludwig Stwertka, Julius Thimig, Helene Toscanini, Arturo Walla, Marianne Wallerstein, Lothar Wallmann, Margarete Walter, Bruno Wittgenstein, Paul

Marianne WALLA, geboren am 9. April 1905 in der Haupt- und Residenzstadt Wien und katholisch getauft, war eine Tochter der ledigen Maria Anna Walla, die im Bezirk Penzing als Dienstmädchen arbeitete.

Über die künstlerische Ausbildung der Marianne WALLA war zunächst wenig Konkretes zu erfahren. Weitere Recherchen ergaben jedoch, dass sie zu den ersten Absolventinnen des Reinhardt-Seminars im Schloss Schönbrunn gehörte. Namensgeber und Leiter des Seminars war Max REINHARDT.

Im Sommer 1930 mussten seine Schülerinnen, darunter Marianne WALLA, ihr Können erstmals öffentlich präsentieren. Sie spielten Shakespeares Was ihr wollt im Schlosstheater Schönbrunn, dann im Akademietheater und während der Salzburger Festspiele im Naturtheater des Mirabellgartens.

Marianne WALLA, die als »Olivia« »einen sehr guten Eindruck machte«, wie ein Wiener Kritiker urteilte, avancierte unerwartet zur Festspielkünstlerin, als sich die prominente Schauspielerin Lili Darvas – nach einem Konflikt mit REINHARDT – vorzeitig aus Salzburg verabschiedete.

An ihrer Stelle durfte Marianne WALLA als Schauspielschülerin am 26., 28. und 30. August 1930 im Salzburger Jedermann die »Guten Werke« spielen.

Marianne WALLA beendete das Reinhardt-Seminar 1931 mit Erfolg und erhielt im Festspielsommer 1931 wieder ihre Rolle im Jedermann, auch in den folgenden Jahren bis 1937. Von der Salzburger Kritik wurde die Wienerin, die nicht zur Prominenz zählte, allerdings erst im Sommer 1935 wahrgenommen:

Marianne Walla ist für eine kleine Rolle (Gute Werke) größtes Lob zu zollen.
Salzburger Volksblatt, 29. 7. 1935, S. 6

Marianne WALLA hatte außerdem Engagements in Bielitz (Bielsko in Polen), in St. Gallen (Schweiz) und in Wien, 1937/38 im antifaschistischen Kabarett »ABC«.

Beachtenswert ist ihre Mitwirkung in den Stücken Die Botschaft von Astoria und Königin der Broadway-Melodie von Jura Soyfer, der unter dem Austrofaschismus und Nationalsozialismus verfolgt wurde und im Februar 1939 im KZ Buchenwald an Typhus starb. Er war Jude und Kommunist.

Anzunehmen ist, dass die 33-jährige Marianne WALLA das nationalsozialistische Wien aus politischen Gründen verlassen musste. Im November 1938 gelang ihr jedenfalls die Flucht über die Schweiz nach England.

Marianne WALLAs künstlerisches und politisches Engagement in London ist gut dokumentiert: Sie war aktives Mitglied der Exilorganisation »Austrian Centre« und ihres Kabaretts »Laterndl«, das beispielsweise Jura Soyfers Stück Der Lechner Edi schaut ins Paradies mit Marianne WALLA als »Fritzi« aufführte.

Schließlich ist noch zu bemerken, dass Marianne WALLA mit dem Engländer John M. Brice verheiratet war und als britische Staatsbürgerin 1980 in Schottland starb.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

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Stolperstein

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