Adolf Aron Weiss

HIER WOHNTE
ADOLF ARON
WEISS
JG. 1874
TOT AN UNTERERNÄHRUNG
IN SALZBURG
6.11.1944
GRUFT DER VERGESSENEN
Meldeschein Adolf Weiss
Meldeschein Adolf Weiss
Werbung für das Kleiderhaus <i>Zum Matrosen</i> im Salzburger Volksblatt am 17. April 1908 – Geschäftsleiter Adolf Aron Weiss<br>Quelle: www.oenb.at
Werbung für das Kleiderhaus Zum Matrosen im Salzburger Volksblatt am 17. April 1908 – Geschäftsleiter Adolf Aron Weiss
Quelle: www.oenb.at
Verlegung 2012: Marko Feingold (Israel. Kultusgemeinde Salzburg), Gunter Demnig & Bürgermeister Dr. Heinz Schaden (Pate)<br>Foto: Stadtarchiv Salzburg, Fotosammlung
Verlegung 2012: Marko Feingold (Israel. Kultusgemeinde Salzburg), Gunter Demnig & Bürgermeister Dr. Heinz Schaden (Pate)
Foto: Stadtarchiv Salzburg, Fotosammlung

Vierthalerstraße 5

Weiss, Adolf Aron

Adolf Aron WEISS, geboren am 31. Juli 1874 in Miava (slowakisch Myjava), im ungarischen Komitat Neutra (hernach Slowakei), war Jude, Kaufmann und von 1903 bis 1938 Geschäftsleiter des Kleiderhauses Zum Matrosen in Salzburg, Mirabellplatz 6, einer Filiale der Wiener Firma Leon Abrahamer.1

Adolf Aron WEISS war nach altösterreichischem Recht in der Stadt Salzburg heimatberechtigt. Bemerkenswert ist, dass er seinem jüdischen Glauben treu blieb, als er 60-jährig am 23. November 1934 im Magistrat der Stadt Salzburg eine hier geborene Katholikin, seine Lebenspartnerin Anna heiratete – eine interreligiöse Zivilehe, die kinderlos blieb.

Unter dem NS-Regime wurde Adolf Aron WEISS, obschon jüdischen Glaubens, nicht aus Salzburg vertrieben – eine der wenigen Ausnahmen.2 Das Ehepaar, das kein Einkommen mehr hatte, musste von einer kleinen Rente und von Ersparnissen leben. Die beiden wohnten nach wie vor im Haus Vierthalerstraße 5, das somit als »Judenhaus« galt und an der Haustür mit dem stigmatisierenden »Judenstern« gekennzeichnet sein musste. Der jüdische Partner Adolf »Israel« WEISS hatte außer Haus den gelben »Judenstern« zu tragen und sonstige Entwürdigungen zu ertragen. Er bekam mit seiner »Judenkarte« kleinere Rationen und ab September 1942 weder Fleisch noch Fisch, auch keine Eier, Butter und Milch, kein Obst und Gemüse, mit dem Resultat, dass der 70-jährige Jude am 6. November 1944 an Unterernährung starb.

Da der jüdische Friedhof in Salzburg-Aigen unter dem NS-Regime gesperrt war, die Grabsteine sukzessive entfernt und »verwertet« wurden, konnte Adolf Aron WEISS nicht seiner Religion gemäß bestattet werden. Selbst der Name des toten Juden sollte in Salzburg ausgelöscht werden. Er wurde eingeäschert und am 11. November 1944 in der Urnengruft des Salzburger Kommunalfriedhofs beigesetzt, und zwar in der »Gruft der Vergessenen«.

Seine Ehefrau Anna starb 80-jährig im Jahr 1976 in Salzburg.

1 Wiener Kleiderhaus Zum Matrosen, Inhaber Leon und Julius Abrahamer, Wien 4, Favoritenstraße 41, Wien 1, Franz Josefs-Kai 7-9, im Gewaltjahr 1938 enteignet, die Salzburger Filiale durch Ludwig Schirmer aus Innsbruck.

2 Die unter dem NS-Regime in Salzburg verbliebenen Betroffenen der Nürnberger Rassengesetze waren vorwiegend bekenntnislose oder zum christlichen Glauben konvertierte Jüdinnen und Juden. Den Terror überstand in Salzburg lediglich eine Frau jüdischen Glaubens, Ludmilla Pippich, die mit einem Eisenbahner verheiratet war, der kein Jude war und sich nicht scheiden ließ. Frau Pippich wurde im Jahr 1962 auf dem jüdischen Friedhof in Salzburg bestattet. Ihr Sohn Karl, der unter dem NS-Regime als »Mischling 1. Grades« galt und in einem Zwangsarbeitslager war, konvertierte hernach zum jüdischen Glauben und emigrierte nach Israel.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Franz-Josef-Straße 33 80m 80m, 326°  Leitner, Juliana
Schallmooser Hauptstraße 6 100m 100m, 116°  Rosenfeld, Amalie
Auerspergstraße 48 107m 107m, 33°  Reiter, Franz
Linzer Gasse 53 113m 113m, 207°  Schmalzbach-Pirak, Marie
Schmalzbach-Pirak, Herbert
Paris-Lodron-Straße 18 114m 114m, 281°  Goldschmidt, Victor Mordechai

Stolperstein

verlegt am 23.03.2012 in Salzburg, Vierthalerstraße 5.

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