Otto Weissberger

OTTO WEISSBERGER
JG. 1872
DEPORTIERT 21.5.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET 19.6.1943
Otto Weissberger<br>Foto: Privatarchiv Arnoldner
Otto Weissberger
Foto: Privatarchiv Arnoldner
Familie Weissberger  – das Ehepaar Otto und Marie, sowie die Söhne Franz & Rudolf<br>Foto: Privatarchiv Arnoldner
Familie Weissberger – das Ehepaar Otto und Marie, sowie die Söhne Franz & Rudolf
Foto: Privatarchiv Arnoldner
Otto Weissberger mit Enkelin Lidy<br>Foto: Privatarchiv Arnoldner
Otto Weissberger mit Enkelin Lidy
Foto: Privatarchiv Arnoldner
Ehrenurkunde für Otto Weissberger<br>Foto: Privatarchiv Arnoldner
Ehrenurkunde für Otto Weissberger
Foto: Privatarchiv Arnoldner

Rudolfsplatz 3

Bonciani, Goffredo Faist, Julius Gomez-Rodriguez, Rafael Mikulandra, Bozo Pfriemer, Katharina Poggesi, Vasco Schallmoser, Margarethe Schmidberger, Berta Subota, Wladimir Weissberger, Otto

Otto WEISSBERGER, geboren am 18. Mai 1872 in der böhmischen Stadt Pardubitz (Pardubice), damals Österreich-Ungarn, heute Tschechien, war der ältere von zwei Söhnen des jüdischen Ehepaares Louise, geborene Pick, und Rudolf Weissberger, beide bestattet in der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs (Tor 1, Grab 19-6-67).

Otto WEISSBERGER konvertierte 1897 zum evangelischen Glauben und heiratete Marie Schenner in der evangelischen Gemeinde Bad Goisern. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Franz, geboren 1898, und Rudolf, geboren 1899. Die Familie lebte in Aigen-Voglhub, einer Ortschaft der Gemeinde Strobl am Wolfgangsee und war wohlhabend: Eigentümerin von Liegenschaften mit einem Sägewerk und Gasthaus. Bekannt ist, dass Otto WEISSBERGER für die Christlich-Soziale Partei im Gemeinderat tätig war, außerdem Ehrenobmann des Traber-Zucht- und Rennvereins Bad Ischl war. Er beteiligte sich aber seit der Übergabe der Geschäftsleitung an seinen älteren Sohn Franz nicht mehr aktiv am Gesellschaftsleben. Seit den 1920er Jahren lebte er vielmehr zurückgezogen im Privaten. Ein schwerer Schlag war für ihn der Tod seiner Frau Marie im September 1938.

Unter dem NS-Regime blieb der Witwer Otto WEISSBERGER zunächst von Anfeindungen weitgehend unbehelligt. Er mied allerdings Begegnungen mit Nationalsozialisten. Er wollte weder rassistische Äußerungen hören noch den am 1. September 1941 polizeilich verordneten gelben Judenstern – ein Stigma – auf seiner Brust tragen. Er ging daher erst nach Einbruch der Dunkelheit außer Haus, machte Rundgänge im Hof, überprüfte alle Tore und Türen, ob sie verschlossen sind, und kehrte wieder in sein Refugium zurück.

Im Frühjahr 1943 muss ihn aber jemand denunziert haben. Es heißt, dass der ortskundige Briefträger in einem Gasthaus über den noch in der Gemeinde lebenden »Juden« übel geredet habe. Doch wer meldete das Geschehnis der Gestapo in Salzburg? Jedenfalls eine Denunziation mit fatalen Folgen: Otto WEISSBERGER befand sich in seinem Privathaus, als ihn ein Gendarm und ein Gestapo-Mann abholten, gewaltsam abführten. Seine damals 18-jährige Enkelin Lidy protestierte dagegen heftig. Ihr Vater meinte aber, es sei besser, sich ruhig zu verhalten, andernfalls würden sie ebenfalls verhaftet.

Der 70-jährige Otto WEISSBERGER musste sein Haus für immer verlassen, er geriet in die Fänge der von Dr. Hubert Hueber geleiteten Gestapo Salzburg, wurde in das Polizeigefängnis am Rudolfsplatz – Georg-von-Schönerer-Platz unter dem NS-Regime – gesperrt und dort malträtiert. Dabei gingen die Brillen des stark sehbehinderten Mannes kaputt. Als sein älterer Sohn Franz von der Notlage des Vaters erfuhr, besorgte er ihm sogleich einen Ersatz. Er durfte jedoch seinen Vater im Polizeigefängnis nicht persönlich sprechen, weshalb er die Brillen der Polizei aushändigte. Ungewiss ist, ob sein kurzsichtiger Vater die Brillen jemals erhielt, denn kein Familienmitglied konnte ihn noch einmal lebend sehen.

Die Gestapo Salzburg ließ Otto WEISSBERGER am 21. Mai 1943, somit drei Tage nach seinem im Polizeigefängnis verbrachten 71. Geburtstag, in das Vernichtungslager Auschwitz deportieren: dort registriert als Otto »Israel« WEISSBERGER mit der Konfession evangelisch und ermordet am 19. Juni 1943 – offizielle Todesursache: »Lungenentzündung«.

Otto WEISSBERGERS Hinterbliebene überstanden die Terrorjahre in Aigen-Voglhub bei Strobl. In den 1970er Jahren sind seine beiden Söhne Franz und Rudolf gestorben. Im Jahr 2017 ist seine Enkelin Lidy lebende Zeitzeugin im 93. Lebensjahr.

Den Hinterbliebenen war allerdings nicht bekannt, dass Otto WEISSBERGERS jüngerer Bruder Rudolf, dessen Ehefrau Ida und ihr Sohn Franz, die in Kolin bei Prag (Praha) lebten, ebenfalls Holocaust-Opfer sind.

Ein noch dunkles Kapitel der Geschichte ist, dass über 60 Jüdinnen und Juden, die bis zum Gewaltjahr 1938 ihren Dauer- oder Sommerwohnsitz in Gemeinden des Bundeslandes Salzburg hatten, Holocaust-Opfer sind:

• Strobl am Wolfgangsee: Familie Herbert, Ernestine und Marie Lechner, Rosa Lechner (Herberts Mutter) und Margarethe Weiner

• St. Gilgen am Wolfgangsee: Ehepaar Dr. Rubin und Zorka Blumenkranz, Dr. Otto Feilchenfeld, Dr. Edmund Frank, Familie Josef, Marie und Gerhard Freund, Ida Heller, geborene Sgalitzer, Ehepaar Felix und Lily Sgalitzer, Ehepaar Dr. Friedrich und Elisabeth Sgalitzer, Ehepaar Leo und Margarethe Sgalitzer, Familie Dr. Richard, Friederike und Heinrich Sgalitzer und Dr. Robert Winterstein (vormals Justizminister)

• Unterburgau am Attersee (Gemeinde St. Gilgen): Therese Horn, geborene Strisower, Ehepaar Hermine und Dr. Josef Hupka, Franziska Maneles, Ehepaar Franziska und Leon Neuberger und Harry Alfons Sonnenthal

• Bad Gastein: Dr. Guido Brecher (Kurarzt), Elsa Engler, Marie Hatschek, Familie Hugo, Jenny und Erich Kreisky, Rosa Plahner, Ehepaar Ciwie und Isiel Rosenberg, Kopel Sommerfreund, Dr. Walter Suess (Zahnarzt) und Paula Wassing

• Bad Hofgastein: Majer Hersch Dressler, Isak Aron Nattel, Ernestine Schönbrunn und Otto Wiener

• St. Johann im Pongau: Ehepaar Charlotte und Karl Schneider (ihre in St. Johann geborene Tochter Else, verheiratete Preis, ihr Ehemann Felix und ihre Kinder Eva und Peter, zuletzt in Klagenfurt) und Auguste Holzer (Mutter der Ernestine MUIK, zuletzt in Salzburg)

• Bramberg bei Mittersill: Margarethe Eder, geborene Klempfner

• Lofer: Ehepaar Alfred und Beatrice Hlawatsch

• Oberndorf an der Salzach: Ehepaar Walter und Grete Mautner

• Großgmain: Friederike Eidlitz, geborene Weiss, Margarethe Haas, geborene Weiss, und ihr Sohn Robert, Ehepaar Dr. Moritz Ludwig und Marie Weiss

• Hallein: Siegfried Silberberg und Josef Talal

• Himmelreich (Gemeinde Wals-Siezenheim): Berta Kohn (Mutter des Artur Kohn, der mit seiner Familie nach Shanghai flüchtete, zurückkehrte und in Salzburg starb)

• Anif: Helene von TAUSSIG

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Nonntaler Hauptstraße 1 36m 36m, 155°  Weil, Angela
Rudolfskai 52 98m 98m, 322°  Schulhof, Alfred
Chiemseegasse 6 295m 295m, 278°  Schönberg, Heinrich
Krotachgasse 2 299m 299m, 270°  Vitzthum, Anna
Kaigasse 20 324m 324m, 262°  Kiesler, Ludwig
Kiesler, Klara

Stolperstein

verlegt am 28.09.2017 in Salzburg, Rudolfsplatz 3.

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