Margarethe Weissenstein

HIER WOHNTE
MARGARETHE WEISSENSTEIN
JG. 1893
FLUCHT 1938
FRANKREICH-ITALIEN
DEPORTIERT 14.12.1944
RAVENSBRÜCK
ERMORDET FEB. 1945

Franz-Josef-Straße 11

Weissenstein, Margarethe

Margarethe WEISSENSTEIN, geboren am 5. November 1893 in Wien, war die ältere von drei Töchtern des jüdischen Ehepaares Else, geborene Kuffler, und Emanuel Weissenstein, der Generaldirektor der Vereinigten Jutefabriken in Wien und Budapest war. Aus dem High Life Almanach der Wiener Gesellschaft geht hervor, dass die zum assimilierten Groß- und Bildungsbürgertum zählende Familie Weissenstein in Wien-Döbling, Felix-Mottl-Straße 39, wohnte. Im Mai 1938 starb Emanuel Weissenstein 79-jährig in Wien. Seine im Kunst- und Musikbetrieb tätige Tochter Margarethe lebte abwechselnd in Wien, Berlin und Salzburg, während des Exils in Paris und zuletzt in Mailand.

Im Jahr 1928 erwarben Else Weissenstein und ihre Töchter Margarethe, Elisabeth (Lisa) und Dorothea in Salzburg die Villa Franz-Josef-Straße 11 (Faberstraße 16), wo sich seit der Monarchie ein Sanatorium befand, 1928 benannt nach seinem neuen Leiter, dem Chirurgen Dr. Gebhard Hromada, Ehemann der Miteigentümerin Lisa Weissenstein. Bis zum Gewaltjahr 1938 bevorzugten Jüdinnen und Juden mangels eines eigenen Krankenhauses in Salzburg das im Andrä-Viertel liegende Sanatorium Hromada. Die unter dem NS-Regime als »jüdisches Vermögen« kategorisierte Villa wurde aus unbekannten Gründen nicht enteignet, allerdings durch ein Pfandrecht des Deutschen Reiches für eine vollstreckbare Forderung (»Reichsfluchtsteuer«) belastet und unter Zwangsverwaltung gestellt. Das vormalige Sanatorium Hromada diente der Deutschen Wehrmacht als »hygienische Versuchsanstalt« oder »Untersuchungsstelle« (eine nicht spezifizierte Benutzungsart).

Der seit Mai 1938 verwitweten Else Weissenstein und ihren beiden verheirateten Töchtern Elisabeth Hromada und Dorothea Potter gelang die Flucht nach Süd- und Nordamerika. Ihre Tochter Margarethe blieb in Europa, ging im Laufe des Krieges von Frankreich nach Italien und lebte in Mailand, seit September 1943 unter deutscher Besatzung. Mailand als Sitz der deutschen Kommandantur war ein Zentrum der Resistenza, der italienischen Widerstandsbewegung. Bekannt ist außerdem, dass Margarethe WEISSENSTEIN einen Italiener heiratete und unter dem Familiennamen De Francesco verfolgt wurde. Ein Naheverhältnis zur Resistenza lässt sich aber nicht nachweisen, weil die SS bei ihrem Abzug alle Zeugnisse ihres Terrors inklusive der Häftlingsbücher der »Polizeilichen Durchgangslager« (Transitlager) in Fossoli und Bozen vernichtete. Mittlerweile ist aber dokumentiert, dass österreichische Jüdinnen und Juden, darunter der 46-jährige Leo KÖHLER aus Salzburg, von Transitlagern in Italien nach Bergen-Belsen und Auschwitz deportiert wurden.

Gewiss ist außerdem, dass die in Mailand verhaftete Margherita De Francesco im Transitlager in Gries bei Bozen interniert war und am 14. Dezember 1944 mit einem speziellen Transport (68 Frauen) in das KZ Ravensbrück deportiert wurde. Dort kam im Februar 1945 die 51-jährige Margarethe (Margherita) De Francesco, geborene WEISSENSTEIN, offensichtlich als politisch Verfolgte zu Tode. Das Schicksal ihres Mannes Giulio ist noch ungeklärt.

Nach der Befreiung Österreichs kehrten Margarethes Mutter Else Weissenstein und ihre Schwestern Dorothea Potter und Elisabeth Hromada aus ihrem Exil in Nord- und Südamerika zurück. Sie verkauften ihre Villa in Salzburg, Franz-Josef-Straße 11. Die verwitwete Elisabeth Hromada, die seit 1957 wieder in Salzburg lebte, wohnte zuletzt im Stadtteil Aigen und starb hier 83-jährig.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

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Fischer, Ludwig
Fischer, Emilie
Franz-Josef-Straße 9 37m 37m, 233°  Singer, Hugo
Singer, Paula
Singer, Egon
Faberstraße 11 46m 46m, 198°  Spiegel, Bela Baruch
Spiegel, Therese
Franz-Josef-Straße 14 50m 50m, 131°  Erlbeck, Günther
Franz-Josef-Straße 6 81m 81m, 245°  Aninger, Heinrich
Aninger, Klara

Stolperstein

verlegt am 14.07.2015 in Salzburg, Franz-Josef-Straße 11.

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