Marie Wurm

HIER WOHNTE
MARIE WURM
JG. 1904
DEPORTIERT 16.4.1941
SCHLOSS HARTHEIM
ERMORDET 1941
Foto: Gert Kerschbaumer
Foto: Gert Kerschbaumer

Virgilgasse 8

Wurm, Marie

Marie WURM, geboren am 31. Mai 1904 in Salzburg, war das einzige Kind des katholischen Ehepaares Maria und Georg Wurm. Ihr Vater, ein Selcher- und Fleischhauergehilfe, starb 1912 in Salzburg. Ihre Mutter heiratete wieder und lebte bei ihrem Mann in der Gemeinde Gnigl (seit 1935 ein Stadtteil von Salzburg). Die junge Marie war bei ihren Großeltern mütterlicherseits in Pflege. Ihr Großvater war Eisenbahner, der mit seiner Familie in der Stadt Salzburg heimatberechtigt war und im Haus Virgilgasse 8 wohnte.

Die pflegebedürftige Marie blieb ledig, konnte keinen Beruf erlernen und arbeitete als »Stütze« im Haushalt ihrer Großeltern. Sie wurde 27-jährig im Juli 1931 in der Salzburger Landesheilanstalt stationär aufgenommen und befand sich unter den 68 Frauen und Männern, die am 16. April 1941 nach Hartheim deportiert und dort ermordet wurden. Der Tod der 36-jährigen Marie WURM ist wie bei allen Opfern der nationalsozialistischen Geheimaktion »T4«1 in der Polizeimeldekartei der Stadt Salzburg nicht vermerkt.

Erwähnenswert ist die am 31. Mai 1941, dem 37. Geburtstag der ermordeten Marie WURM, veröffentlichte Mitteilung ihrer in der Pfarrgemeinde Gnigl lebenden Mutter: Dienstag, den 3. Juni, 8 Uhr früh, wird für meine geliebte Tochter, Frl. Mitzi Wurm, im Gnigler Pfarramt ein Seelengottesdienst abgehalten.

Es blieb nicht der einzige Dienst des Pfarrers Franz Dürnberger für Terroropfer und Hinterbliebene aus der Pfarrgemeinde Gnigl. Seelenmessen hielt er bekanntlich noch für die in Hartheim ermordete Theresia TRENKE und für den in München hingerichteten Widerstandskämpfer Anton SCHUBERT, was allerdings der Gestapo, die jegliche Ehrung ihrer Terroropfer durch Hinterbliebene zu verhindern trachtete, zu Ohren kam. Der darauf von der Gestapo wegen »staats- und volksfeindlichen Verhaltens« verhaftete Pfarrer Dürnberger wurde in das KZ Dachau deportiert. Er überstand die Terrorjahre, konnte nach der Befreiung sein Amt in der Pfarre Gnigl wieder ausüben, wurde jedoch bislang für seine Widerstandshandlung nicht gewürdigt.

Die das NS-Regime ebenfalls überlebende Mutter der Marie WURM starb 84-jährig 1966 in Salzburg.

1 »T-4«: benannt nach der »Euthanasie«-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer

Benachbarte Stolpersteine

Rupertgasse 4 80m 80m, 236°  Aschenbrenner, Margarethe
Bayerhamerstraße 5 100m 100m, 180°  Kritzinger, Michael
Bayerhamerstraße 6 101m 101m, 171°  Klar, Felix
Lasserstraße 8 138m 138m, 293°  Altmann, Adolf
Auerspergstraße 48 150m 150m, 228°  Reiter, Franz

Stolperstein

verlegt am 13.07.2015 in Salzburg, Virgilgasse 8.

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