Franz Zöchling

HIER WOHNTE
FRANZ ZÖCHLING
JG. 1923
DESERTIERT OKT. 1943
VERHAFTET FEB. 1944
„FRONTBEWÄHRUNG“
TOT 10. 2. 1945
Das Symbol der NS-Zivil- und Militärjustiz: Richtschwert mit Parteiadler und Hakenkreuz
Das Symbol der NS-Zivil- und Militärjustiz: Richtschwert mit Parteiadler und Hakenkreuz
Urteil des Kriegsgerichtes der Division 418
Urteil des Kriegsgerichtes der Division 418

Bahnhofstraße 39

Honeder, Georg Zöchling, Franz

Franz ZÖCHLING, am 7. Mai 1923 in Salzburg-Itzling geboren und katholisch getauft, war das zweite von drei Kindern des Ehepaares Maria und Johann Zöchling, der Hilfsarbeiter war. Die Arbeiterfamilie lebte unweit des Salzburger Hauptbahnhofs in Itzling, seit 1935 ein Stadtteil von Salzburg.

Das Haus Bahnhofstraße 39, in dem die Familie seit 1921 wohnte, war Eigentum der Brauereibesitzer Sigmund und Richard Hatschek. Ihre Liegenschaften wurden unter dem NS-Regime als »jüdisches Vermögen« unter Zwangsverwaltung gestellt und von der Deutschen Reichsbahn genutzt.

Die Spuren, die Franz ZÖCHLING in Salzburg zurückließ, bezeugen, dass es ihm nicht vergönnt war, in Frieden und Freiheit aufzuwachsen und einen bürgerlichen Beruf zu erlernen. Er war Hilfsarbeiter, als er 18-jährig im Kriegsjahr 1941 zum Reichsarbeitsdienst und anschließend zur Deutschen Wehrmacht einberufen wurde. Er war Soldat des in Salzburg aufgestellten Gebirgsjägerregiments 136, das im Krieg gegen die Sowjetunion an der »Eismeerfront« zum Einsatz kam. Dort wurde Franz ZÖCHLING verwundet, ausgezeichnet und zum Gefreiten befördert. Im Oktober 1943 erhielt er einen dreiwöchigen Genesungsurlaub.

Bis dahin gehorchte Franz ZÖCHLING den Befehlen seiner Kriegsherren. Wir wissen aber nicht, was ihn während seines Heimaturlaubs dazu bewog, sich dem Kriegsdienst zu entziehen. Gewiss ist nur, dass auch sein Bruder Johann an der Front stand, dass außerdem sein Vater gestorben war und sein Onkel Georg HONEDER, Patient der Landesheilanstalt, in Hartheim ermordet wurde. In dieser Lebenslage blieb Franz ZÖCHLING nach Urlaubsende eigenmächtig bei seiner verwitweten Mutter in Salzburg. Er hoffte, mit gefälschten Personalpapieren den Krieg zu überstehen. Das misslang ihm aber. Er wurde am 2. Februar 1944 in Salzburg verhaftet.

Am 29. Februar 1944 stand Franz ZÖCHLING im Justizgebäude am Rudolfsplatz – Georg-von-Schönerer-Platz unter dem NS-Regime – vor einem Kriegsgericht der Division 418. Als Ankläger fungierte Dr. Ferdinand Voggenberger, Jurist aus Salzburg. Richter war Kriegsgerichtsrat Dr. Julius Poth, ebenfalls Berufsrichter am Landesgericht Salzburg. Er fällte »Im Namen des Deutschen Volkes!« sein Urteil wegen »unerlaubter Entfernung von der Truppe« und anderer Delikte: drei Jahre und sechs Monate Gefängnis und Verlust des Dienstranges.

Franz ZÖCHLING wurde noch während seiner Haft im Verlauf des Kriegsjahres 1944 zur »Bewährung vor dem Feind« an die Front geschickt. Wir wissen jedoch nichts Konkretes über seine Strafeinheit, die im Vernichtungskrieg zum Bunker- und Stellungsbau oder zur Minenräumung und Leichenbergung eingesetzt wurde. Außerdem galt er nach Kriegende als vermisst. Im Polizeimelderegister der Stadt Salzburg fehlt daher ein Todesvermerk. Dokumentiert ist hingegen, dass seine Mutter und Geschwister die Terrorjahre überlebten.

Jüngste Recherchen ergaben, dass der vermisste Strafsoldat Franz ZÖCHLING 21-jährig am 10. Februar 1945 in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager bei Tiraspol in Transnistrien sein Leben verlor. Transnistrien (Moldawien, Bessarabien) war ein im Frühjahr 1944 von der Sowjetunion zurückerobertes Kriegsgebiet. Damit endete dort der Massenmord an Juden unter der rumänischen und deutschen Herrschaft.

Quellen

Autor:Gert Kerschbaumer
Recherche:Esche Schörghofer

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Stolperstein

verlegt am 24.09.2019 in Salzburg, Bahnhofstraße 39.

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