Theresia (Therese) FLACHBERGER, geborene Rohlik, geboren am 15. November 1911 in Salzburg, stammte aus einer Arbeiterfamilie, war Hilfsarbeiterin und Ehefrau des Schlossers Franz FLACHBERGER, der ebenfalls im Arbeitermilieu sozialisiert worden war. Die Ehe blieb kinderlos.

Das Ehepaar, das den Weihnachtsabend 1943 im familiären Kreis verbracht hatte, wurde kurz darauf von der Gestapo verhaftet und am 29. August 1944 vom Oberlandesgericht Wien wegen »Zersetzung der Wehrkraft« zu zwei bzw. drei Jahren Zuchthaus und zu je drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Ehefrau verlor ihr Leben in einem bayrischen Zuchthaus, der Witwer hingegen überstand die Haft und starb 1972 in Salzburg.

Der Verlauf des verhängnisvollen Weihnachtsabends 1943 im familiären Kreis und das weitere Geschehen lassen sich anhand der Häftlingsakte Nr. 3260 des Frauenzuchthauses Aichach rekonstruieren. Im handgeschriebenen Lebenslauf der Theresia FLACHBERGER vom 8. Januar 1945 manifestieren sich Züge einer Persönlichkeit: Geradlinigkeit und Beharrlichkeit. Die Frau war davon überzeugt, Opfer einer durch Hass motivierten Anschuldigung zu sein, daher zu Unrecht verurteilt und eingesperrt worden zu sein:


[…] Vermeidung einer Strafe war nicht möglich, da man mir keinen Glauben schenkte und die Klägerin aus Hass, weil mein Mann noch zu Hause war, handelte […].

Anna Winkler, »die Klägerin«, das heißt Denunziantin, war die Schwester einer Schwägerin des Franz FLACHBERGER, demnach eine vertraute Person, deren andere politische Gesinnung am Weihnachtsabend 1943 zum Vorschein kam. Im familiären Kreis prallten unterschiedliche Meinungen über den Krieg und seine Folgen aufeinander. Als Franz und Theresia FLACHBERGER den mörderischen Krieg gegen die Sowjetunion verurteilten, fühlte sich Anna Winkler als Mutter eines zur Wehrmacht eingerückten Sohnes, der zu Weihnachten nicht zu Hause sein konnte, persönlich angegriffen. Im Gerichtsurteil, das auf Verhören der Gestapo fußt, steht abschließend, dass Anna Winkler die Worte der beiden Angeklagten auf ihren Sohn bezogen habe, deshalb in größte Erregung geraten sei und es sich verbeten habe, ihren Sohn einen Mörder zu nennen, daraufhin den Angeklagten Franz FLACHBERGER einen gemeinen Kerl und Kommunisten geheißen habe. Die politische Gesinnung des Ehepaares FLACHBERGER, vor dem Verbotsjahr 1934 der Sozialdemokratie zugehörig, war in der Beurteilung des Gerichts von Bedeutung. Opfer des NS-Terrors, die als »marxistisch« galten, zählten zu Deutschlands Feinden, selbst wenn sie ein Jahrzehnt nicht politisch agitiert und keiner Widerstandsgruppe angehört hatten.

Theresia FLACHBERGER starb 33-jährig am 24. Jänner 1945, um 15 Uhr 45, im bayrischen Zuchthaus Aichach an »Herzschlag« (Herzinfarkt) – offiziell jedenfalls, und nicht anders lautend erhielten ihr Mann, ihre Mutter und Geschwister die traurige Nachricht. Auf der maschinschriftlichen Todesmeldung, die sich in der Häftlingsakte Nr. 3260 befindet, steht jedoch die handschriftlich hinzugefügte Notiz: »Die Todesursache ‚Herzschlag’ stimmt nicht. Statt dessen ‚Verblutung’ 26. 1. 45.«

Quellen

  • Staatsarchiv München: Häftlingsakte Nr. 3260 des Zuchthauses Aichach inklusive Gerichtsurteil und Lebenslauf der Therese Flachberger
  • Salzburger Landesarchiv: Opferfürsorgeakte S-716 (Franz Flachberger)
  • Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 – 1945, Band 2, S. 397f. (publiziertes Gerichtsurteil mit vollem Namen der Denunziantin).
Autor: Gert Kerschbaumer

Stolperstein
verlegt am 06.07.2011 in Salzburg, Gaswerkgasse 24

<p>HIER WOHNTE<br />
THERESIA<br />
FLACHBERGER<br />
JG. 1911<br />
IM WIDERSTAND<br />
VERHAFTET 13.4.1944<br />
WEHRKRAFTZERSETZUNG<br />
ZUCHTHAUS AICHACH<br />
ERMORDET 24.1.1945</p>
Memorial für Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Foto: Stadtarchiv

Alle Stolpersteine: Gaswerkgasse 24