Josefa KÖCHL, geboren am 24. März 1909 in Kendlbruck bei Ramingsstein, war das Kind einer ledigen Dienstmagd, römisch-katholisch getauft in der Pfarre Ramingstein, Bezirk Tamsweg (Lungau, Land Salzburg).

Im Taufbuch ist außerdem der Tod der 35-jährigen Josefa KÖCHL vermerkt: »5. 5. 1944 Auschwitz«.

Josefa KÖCHL zählt allerdings zu den nationalsozialistischen Terroropfern, die weder in der 1991 publizierten Dokumentation Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934-1945 noch in der Opferdatenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) aufscheinen.

Recherchen ergaben jedoch, dass Josefa KÖCHL gegen Ende April 1942 auf Befehl der Gestapo Salzburg unter dem Vorwurf des »verbotenen Umgangs« mit einem Polen festgenommen, aber während ihrer Haft im Polizeigefängnis am Rudolfsplatz nicht vor Gericht gestellt wurde.

Vieles liegt mangels einer Gerichtsakte im Dunkeln: Verrat, Denunziation und anderes mehr.

Wer verriet die Landarbeiterin Josefa KÖCHL in ihrem Freundes- und Arbeitskreis wegen einer verbotenen geselligen oder intimen Beziehung mit einem polnischen Zwangsarbeiter?

Wir wissen jedenfalls, dass die Gestapo Salzburg unter Umgehung des Gerichtes die im Polizeigefängnis inhaftierte Josefa KÖCHL am 15. August 1942 über Linz und Prag in das Frauen-KZ Ravensbrück deportieren ließ: Zugang am 21. August 1942, registriert mit der Häftlingsnummer 13222.

Des Weiteren ist dokumentiert, dass Josefa KÖCHL 35-jährig am 26. April 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz überstellt und dort am 5. Mai 1944 ermordet wurde – das gewaltsame Ende einer Frau, die keine schriftlichen Zeugnisse über ihr Leben und Leiden hinterließ.

Das Wenige, das wir außerdem noch wissen, stammt ebenfalls aus Papieren der Polizei: Paul (Pawel) Fronzek, ein 45-jähriger Pole, war zur selben Zeit wie Josefa KÖCHL wegen »verbotenen Umgangs« im Polizeigefängnis am Rudolfsplatz inhaftiert.

Am 28. August 1942 ließ die Gestapo Salzburg den Zwangsarbeiter zwecks Abschreckung in Gegenwart seiner polnischen Arbeitskameraden in ihrem Arbeitsort Mariapfarr im Lungau erhängen.

Es begann mit Denunziation und endete mit der Ermordung zweier Menschen, die stigmatisiert, ehr- und namenlos blieben, da sie im befreiten Österreich nicht als Opfer anerkannt wurden.

Quellen

  • Taufbuch der Pfarre Ramingstein im Bezirk Tamsweg
  • Arolsen Archives Online
  • ÖsterreicherInnen in Ravensbrück Online
  • Salzburger Landesarchiv Sicherheitsdirektion 15184/47
Autor: Gert Kerschbaumer

Stolperstein
verlegt am 18.10.2021 in Salzburg, Rudolfsplatz 3

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