Franz WALTL, am 6. März 1919 in Molzbichl bei Spittal an der Drau geboren und katholisch getauft, war ein Kind des Ehepaares Maria, geborene Eibegger, und Franz Waltl, Bäcker in Spittal an der Drau, der um 1930 starb.

Während der Weltwirtschaftskrise zog die junge Witwe mit ihrem minderjährigen Sohn Franz nach Kaprun bei Zell am See, um an diesem aufstrebenden Ort für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Die beiden hinterließen aber, wie bei kleinen Leuten üblich, spärliche Lebenspuren.

Franz WALTL hatte offensichtlich keinen Beruf erlernt. Er war Hilfsarbeiter und Bergführer in Kaprun und seit dem Kriegsjahr 1940 mit der 1920 geborenen Antonia Hardtmann verheiratet. Das junge Paar hatte zwei Kinder, Paula und Ferdinand – ein familiäres Glück, das von kurzer Dauer war.

Ein bislang unbeachtetes Dokument gibt Aufschluss über das gewaltsame Ende eines jungen Lebens unter der nationalsozialistischen Diktatur: Der 24-jährige Franz WALTL, Soldat des Gebirgsjägerersatzregiments 137, stationiert in der Kaserne Glasenbach bei Salzburg, wurde am 11. März 1943 erschossen, aber nicht in Glanegg bei Salzburg, sondern in Freiburg im Breisgau am Oberrhein – »Todesursache: Urteilsvollstreckung« (laut Kommandantur der Befestigung Oberrhein).

Nach derzeitigem Wissensstand lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, welches Kriegsgericht die Todesstrafe gegen Franz WALTL wegen »Fahnenflucht« oder Desertion während des Vernichtungskrieges verhängte.

Es liegt noch manches im Dunkeln, nicht zuletzt mangels Kriegsgerichts- und Opferfürsorgeakten.

Franz WALTL ist obendrein eines unter vielen Opfern der nationalsozialistischen Kriegsjustiz, die in der 1991 publizierten Dokumentation Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934-1945 nicht aufscheinen.

Recherchen ergeben allerdings, dass seine Mutter, seine Ehefrau und ihre beiden Kinder die Terrorjahre in Kaprun überstehen konnten.

Quellen

  • Archiv der Diözese Gurk (Matrikenbücher)
  • Stadt- und Landesarchiv Salzburg
  • Stadtarchiv Freiburg im Breisgau
  • Kommandantur der Befestigung Oberrhein in Freiburg im Breisgau: Mitteilung an die Wehrmachtsauskunftsstelle in Berlin
Autor: Gert Kerschbaumer

Stolperstein
verlegt am in Salzburg, Kajetanerplatz 1

Gedenktafel am Salzburger Landesgericht
Foto: Gert Kerschbaumer

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