Isidor FUCHS, geboren am 18. Juni 1885 in Buttenwiesen bei Augsburg in Bayern, war ein Sohn des jüdischen Paares Julia, geborene Schönbrunn, und Ludwig FUCHS (1891 in München gestorben).

1898 übersiedelte die Witwe Julia FUCHS mit ihrem 13-jährigen Sohn Isidor (Dorl) von München nach Salzburg, wo ihre Eltern Karoline und Elias Schönbrunn, ihre Schwester Johanna, Ehefrau von Rudolf LÖWY, und ihre Tochter Amalie, Ehefrau von Oswald LÖWY, lebten.

Isidor FUCHS machte bei seinem Schwager Oswald LÖWY im Haus Mirabellplatz 6 – nahe dem Schloss Mirabell – eine Handelslehre und war dort anschließend Handelsangestellter.

Isidor FUCHS blieb deutscher Staatsbürger, bayrischer Patriot und diente daher während des 1. Weltkrieges im bayrischen Infanterie-Regiment Nr. 2, dreieinhalb Jahre, zuletzt als Schreiber in einem Münchner Lazarett.

Gegen Ende des Krieges ging Isidor FUCHS 33-jährig zurück nach Salzburg, war hier wieder Handelsangestellter bei seinem Schwager Oswald LÖWY, doch bald darauf selbständiger Kaufmann am selben Ort.

Im November 1921 gründeten Isidor FUCHS und Manfred BONYHADI die Firma Fuchs & Co. (Großhandel mit Galanterie, Kurz- und Wirkwaren), zunächst im Haus Mirabellplatz 6, dann im 1. Stock des Hauses Getreidegasse 21 (im Parterre befand sich ein frequentiertes Schuhgeschäft).

Im Dezember 1921 heiratete Isidor FUCHS 36-jährig in Prag (Praha), Hauptstadt der Tschechoslowakei: Seine Frau Martha, geboren 4. Juni 1891 in Leitmeritz bei Theresienstadt (Litomerice bei Terezin), war eine Tochter von Klara, geborene Kornfeld, und Richard Steindler, die fünf Kinder hatten. Marthas ältester Bruder Ernst Steindler verlor sein Leben im Ersten Weltkrieg am Isonzo.

Martha und Isidor FUCHS bekamen am 3. Oktober 1922 in Salzburg einen Sohn: Ludwig (Vorname seines 1891 in München verstorbenen Großvaters). 1935 hatte Ludwig (Wigo) seine Barmizwa in der Synagoge an der Lasserstraße.

Marthas jüngere Schwester Elisabeth (Else oder Elise) Steindler war die Ehefrau des Geschäftspartners Manfred BONYHADI: Fuchs & Co.

Das Paar BONYHADI hatte ebenfalls einen Sohn: Ernst, geboren am 3. Jänner 1924 in Salzburg, Wigos Cousin und Freund Ernie, der seine Barmizwa 1937 in der Synagoge an der Lasserstraße hatte.

Im März 1929 starb Julia FUCHS 75-jährig, die Mutter von Amalie, Jenny und Isidor, die Großmutter von Ludwig, Robert, Paul, Emil und Grete LÖWY, von Franz und Louis NALOS (Prag) und von Ludwig FUCHS, begraben auf dem jüdischen Friedhof in Salzburg.

Rund fünfzehn Jahre wohnte die Familie Martha, Isidor und Ludwig FUCHS im Haus Elisabethstraße 1, 1. Etage – in gutbürgerlichen Verhältnissen.

In ihrer Nachbarschaft gehörten zwei Häuser dem jüdischen Ehepaar Gottlieb und Hermine Winkler: Häuser, die im antisemitischen Salzburg als »Judenhäuser« galten – Lebensorte der jüdischen Familien MORPURGO und EISENBERG mit insgesamt sechs Kindern.

Das antisemitische Salzburg kannte die Namen und Adressen ihrer verhassten jüdischen Konkurrenten: Isidor FUCHS stand erstmals im November 1923 auf der Boykott-Liste, die der Salzburger Antisemitenbund in seinem Blatt Der eiserne Besen publizierte – mit dem erklärten Ziel, die Existenz aller Juden in ihrem Lebensort zu vernichten.

Isidor FUCHS war noch in den 1930er-Jahren aktives Mitglied seiner jüdischen Gemeinde: mit Protesten gegen die Verfolgungen im nationalsozialistischen Deutschland und ebenso gegen antisemitische Aktivitäten in Salzburg – von der lokalen Presse aber nicht wahrgenommen.

Lange unbeachtet blieb überdies, dass Rabbiner Dr. David Samuel MARGULES Ende 1937 eine Bibliothek in der Synagoge an der Lasserstraße eröffnen konnte. Namentlich bekannt sind die Buchspender Isidor FUCHS, Daniel BONYHADI, Otto LÖWY und Stefan ZWEIG – eine erlesene jüdische Bibliothek, die unter dem nationalsozialistischen Regime spurlos verschwand, selbst im Familiengedächtnis der Überlebenden keine Spuren hinterließ.

Im Gewaltjahr 1938 war Isidor FUCHS 53 Jahre alt, seine Frau Martha 47 Jahre und ihr Sohn Ludwig (Wigo), der eine Hotelfachschule in Wien absolviert hatte, erst im 16. Lebensjahr.

Der Judenhass eruptierte: Ende Mai 1938 wurde die Familie Isidor FUCHS mit deutscher Staatsbürgerschaft aus ihrer Mietwohnung im Haus Elisabethstraße 1 delogiert (Nutznießer war der Facharzt Dr. med. Johann Graetz).

Isidor, Martha und Ludwig fanden bei ihrer befreundeten Familie BONYHADI Unterschlupf – bis zur Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, als ihre Existenz in Salzburg endgültig ausgelöscht, Fuchs & Co. liquidiert wurde.

Auf Befehl des SS-Sturmbannführers Karl-Heinz Rux ließ die Gestapo Salzburg 26 Juden, darunter Isidor FUCHS und Manfred BONYHADI, in das KZ Dachau deportieren: Zugang der Häftlinge Nr. 22927 und 22928 am 12. November 1938 und Freilassung am 22. Dezember 1938 unter der Bedingung, mit ihren Familien umgehend »auszuwandern« – beraubt und vertrieben.

Noch während der KZ-Haft der Freunde Isidor und Fred mussten ihre Ehefrauen und Söhne mit gepackten Koffern nach Wien reisen.

In Wien hatten allerdings beide Familien Glück: Sie erhielten Visa für die USA, Tickets für Schiffspassagen nach New York und Affidavits eines US-Bürgers (Moses E. Steinberg aus Portland im US-Bundesstaat Oregon).

Die Flucht gelang den beiden Familien erst nach Ausbruch des 2. Weltkrieges, aber noch vor der Kriegserklärung Italiens: Reise am 6. November 1939 von Genua mit dem italienischen Transatlantikliner Saturnia nach New York, Ankunft am 17. November 1939.

Ihr Lebensort war Portland im US-Bundesstaat Oregon an der Westküste der USA: ein Leben in Freiheit, aber in prekären Verhältnissen und mit geändertem Familiennamen: FOX statt FUCHS.

Während des 2. Weltkrieges diente der junge Ludwig FUCHS als Louis L. FOX in der US-Army.

Am 11. Jänner 1946 starb seine Mutter Martha FOX 54-jährig an Krebs, am 1. September 1973 sein Vater Isidore FOX 88-jährig in Portland (beide Cemetery Ahavai Sholom).

Das Grab der 1929 in Salzburg verstorbenen Julia FUCHS, Isidors Mutter und Ludwigs Großmutter, existiert nicht mehr – unter dem nationalsozialistischen Regime vernichtet, desgleichen die Bücher der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg mit der 1922 registrierten Geburt von Ludwig FUCHS.

Dank der Initiative des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Marko Feingold, Herausgeber des Buches Ein ewiges Dennoch: 125 Jahre Juden in Salzburg, wurden vertriebene Jüdinnen und Juden im August 1993 nach Salzburg eingeladen.

Unter den Gästen befanden sich der 71-jährige US-Bürger Louis L. FOX, vormals Ludwig (Wigo) FUCHS, seine Frau Barbara Suzanne und ihre Tochter Rebecca. Ihr erster gemeinsamer Besuch galt dem im Jahr 1938 geraubten Lebensort der Familie FUCHS, Elisabethstraße 1:

… Als wir das erste Mal zurück waren, in Salzburg waren, bin ich gleich in unser altes Haus in der Elisabethstraße gegangen und hab um Erlaubnis gebeten, ob ich meine Wohnung sehen kann, daß ich sie meiner Frau und Tochter zeig.

Die Dame, die jetzt dort wohnt, ist eine Verwandte von dem Geometer, dem das Haus gehört hat, eine Tochter oder was. Und sie hat meiner Frau ein schönes gesticktes Tischtuch gegeben, ein Tischtuch, das sie von meiner Mutter bekommen hat als Geschenk!

Über das, was in Salzburg passiert ist, hab ich auch nicht so oft nachgedacht. Man sagt, man vergißt nicht, aber das hat mich nicht täglich oder monatlich so beschäftigt, daß ich dauernd daran gedacht hätte.
(Salzburger Juden erzählen, S. 157)

In seiner 1998 publizierten Erzählung bleiben die im Gedächtnis seiner Familie haftenden Namen ihrer ermordeten Mitglieder ungenannt.1

Louis L. FOX, der seinen Lebensabend mit seiner Frau Barbara Suzanne bei ihrer verheirateten Tochter Rebecca Norman verbringen konnte, starb 101-jährig am 31. März 2024 in Randallstown bei Baltimore in Maryland (Cemetery Liberty Park of Shaarei Zion).

1 Shoah-Opfer der Familie Fuchs (Fox): Amalie LÖWY (Salzburg), ihre Schwester Jenny Nalos (Prag) und Karl Steindler (Prag), der in Maly Trostinec ermordete Bruder der Martha Fuchs (Fox).

Quellen

  • Standesamt Buttenwiesen (Familie Julia und Ludwig Fuchs, deutsche Staatsbürgerschaft)
  • Israelitische Kultusgemeinde Salzburg (Geburten- und Trauungsbücher unter dem NS-Regime vernichtet)
  • Stadt- und Landesarchiv Salzburg (Melderegister, Gewerbeakten)
  • KZ-Gedenkstätte Dachau
  • Arolsen Archives, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und Yad Vashem (Shoah-Opfer)
  • Marko M. Feingold (Hg.): Ein ewiges Dennoch. 125 Jahre Juden in Salzburg, Wien 1993
  • Gert Kerschbaumer: Geschichte schreiben nach Auschwitz, in: Die Gemeinde, offizielles Organ der IKG Wien, Nr. 428, 6. 10. 1993
  • Geduldet, geschmäht und vertrieben. Salzburger Juden erzählen, Hg. Daniela Ellmauer, Helga Embacher und Albert Lichtblau, Salzburg 1998, S. 147-157
  • Albert Lichtblau: »Arisierungen«, beschlagnahmte Vermögen, Rückstellungen und Entschädigungen in Salzburg, Wien-München 2004, S. 174
Autor: Gert Kerschbaumer

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