Franz DÜRNBERGER, am 5. Oktober 1903 in Hofgastein geboren und katholisch getauft, war der jüngste von sieben Söhnen des Ehepaares Maria und Friedrich Dürnberger, Förster in Hofgastein (seit 1936 Bad Hofgastein).

Franz, der jüngste der sieben Brüder, absolvierte das Erzbischöfliche Gymnasium Borromäum und das Priesterseminar im Haus Dreifaltigkeitsgasse 14.

Am 18. Juli 1926 wurde Franz DÜRNBERGER durch Erzbischof Dr. Ignaz Rieder im Salzburger Dom zum Priester geweiht.

Franz DÜRNBERGER wirkte zunächst als Kooperator in St. Johann im Pongau, dann sieben Jahre als Domprediger in Salzburg und ab Juni 1941 als Stadtpfarrer (leitender Pfarrer) in Gnigl, Eichstraße 58. Seine Pfarre gehörte zum Stadtdekanat Salzburg.

Unter dem nationalsozialistischen Regime war die römisch-katholische Kirche einem aggressiven Antiklerikalismus ausgesetzt. Das zeigt sich schon darin, dass etwa 150 Priester der Erzdiözese Salzburg »Schulverbot« hatten. Sie durften also öffentliche Schulen nicht betreten und nicht unterrichten.

Darüber hinaus wurde ihre Seelsorge in den Kirchen und Friedhöfen überwacht, um jegliches Gedenken an Menschen zu unterbinden, die als »lebensunwert« galten oder des »Hoch- und Landesverrates« bezichtigt wurden.

Folglich lässt sich die Seelsorge Franz DÜRNBERGERS in prägnante Worte fassen: christlicher Widerstand, Zivilcourage.

Der Gnigler Stadtpfarrer hielt gleich bei seinem Amtsantritt im Kriegsjahr 1941 Toten- oder Seelenmessen für Opfer des nationalsozialistischen Terrors: nachweislich für die in Hartheim bei Linz ermordeten kranken Frauen Marie WURM und Theresia TRENKE anlässlich der Urnenbeisetzungen mit ihren Trauerfamilien auf dem Gnigler Friedhof.

Bemerkenswert ist überdies, dass die Krankenmorde der Geheimaktion »T4«1 nicht einmal im Polizeimelderegister aufscheinen. Die strikte Gemeinhaltung misslang dem nationalsozialistischen Regime allerdings.

Was wusste die Zivilgesellschaft über die am Landesgericht Salzburg gefällten 35 Todesurteile des »Volksgerichtshofes«? Die nationalsozialistische Presse verlor darüber kein Wort, um den Anschein zu erwecken, es gebe weder Widerstand noch Freiheitskampf.

»Volksgerichtsrat« Walter Hartmann aus Berlin verurteilte beispielsweise am 6. April 1943 am Landesgericht Salzburg vier Aktivisten der illegalen KPÖ zum Tode, darunter den 32-jährigen Elektrotechniker und Lehrer Anton SCHUBERT aus Gnigl, geköpft am 22. Juli 1943 in München-Stadelheim.

Sein Leichnam wurde nicht in München begraben, vielmehr dem anatomischen Institut der Universität Würzburg zu Studienzwecken übergeben, was in Salzburg kein Hinterbliebener wissen konnte.

Seine Eltern Thekla und Anton, sein Bruder Richard, seine Ehefrau Elisabeth und Kinder Anton und Elisabeth erhielten allerdings berührende Abschiedsbriefe aus seiner Todeszelle.

Ein traumatisches Ereignis für die trauernde Familie, die in ihrer Pfarrkirche in Gnigl Abschied von ihrem Toni nehmen wollte. Auf Wunsch seiner Mutter Thekla hielt Pfarrer DÜRNBERGER für ihren in München hingerichteten Sohn eine Totenmesse.

Gewiss ist ebenso, dass jemand aus der Gemeinde den couragierten Pfarrer wegen seines Messelesens für einen Regimegegner bei der Gestapo denunzierte. Der Pfarrer wollte aber keinen Menschen der Denunziation verdächtigen oder beschuldigen.

Rückblickend schreibt Franz DÜRNBERGER:

Gefertigter hat auf Wunsch der Mutter eines hingerichteten Freiheitskämpfers eine Messe gehalten und dies wurde laut Schutzhaftbefehl als staats- und volksfeindliches Verhalten gewertet.
(Opferfürsorge-Akte)

Dokumentiert sind außerdem die Daten des nationalsozialistischen Terrors gegen Franz DÜRNBERGER: Verhaftung am 24. September 1943, Polizeigefängnis am Rudolfsplatz bis 28. November 1943, Deportation in das KZ-Dachau, Zugang als »Schutzhäftling Pf.« (Pfarrer) Nummer 58980 am 2. Dezember 1943.

Im behördlichen Daten-Gerippe fehlt das Todesdatum seiner 78-jährigen Mutter Maria aus Bad Hofgastein: 30. November 1943, demnach während der Haft ihres jüngsten Sohnes Franz, der sich somit von seiner Mutter nicht verabschieden und für sie auch keine Totenmesse lesen konnte.

Der Dachauer KZ-Häftling Nr. 58980 überlebte die Terrorjahre: Pfarrer Franz DÜRNBERGER wurde am 5. April 1945 – knapp vor der Befreiung durch US-Truppen – aus der KZ-Haft entlassen.

Sein erster Weg führte ihn in seinen Heimatort Bad Hofgastein, wo noch seine Brüder Anton und Johann lebten und sich ihr Elterngrab befand. Sein weiterer Weg ging in seine Pfarre in Gnigl, Eichstraße 58:


KZ fürs Messelesen

Am Sonntag, dem 17. Juni, kehrte Stadtpfarrer Franz Dürnberger wieder in seine Pfarre Gnigl zurück, ein Tag, der von der ganzen Pfarre mit großer Herzlichkeit gefeiert wurde. […]
Der Tag, mit dem er wieder seine Wirksamkeit an der alten Seelsorgestätte aufnahm, wurde festlich begangen. Die Kirche war geschmückt, als Stadtpfarrer Dürnberger am Sonntag seinen ersten Gottesdienst hielt. In einer erschütternden Predigt führte er seinen Pfarrkindern die Leiden jener vielen Unglücklichen vor Augen, die im Konzentrationslager gefangen waren. Der Tag der Rückkehr war für die ganze Stadtpfarre Gnigl ein Freudentag.

(Salzburger Nachrichten, 18. Juni 1945, S. 2)

Franz DÜRNBERGER, seit 1947 »Geistlicher Rat«, war ein couragierter Priester, der das Leid anderer wahrzunehmen vermochte – über das Befreiungsjahr 1945 hinaus, auch während des Kalten Krieges oder Ost-West-Konfliktes mit seiner tief gespaltenen Gedenkkultur.

Besonders beachtenswert ist daher, dass Pfarrer Franz DÜRNBERGER am Sonntag, dem 14. Dezember 1952, an einer Veranstaltung des Salzburger KZ-Verbandes zum Gedenken an vier in München-Stadelheim hingerichtete kommunistische Widerstandskämpfer, Heinrich AUER, Rudolf SMOLIK, Karl SCHALLMOSER und Anton SCHUBERT, beteiligt war – offensichtlich eine Einsegnung der genannten Terror-Opfer auf dem Kommunalfriedhof vornahm, worüber aber ausschließlich die kommunistische Presse berichtete (Salzburger Tagblatt, 15. Dezember 1952, S. 3).2

Das Grab des Salzburger KZ-Verbandes für kommunistische Widerstandskämpfer mit Verbandszeichen und Inschrift – »Sie starben für Österreich 1943« – auf dem Kommunalfriedhof ist seit 2015 ein Ehrengrab der Stadt Salzburg.

Der Priester Franz DÜRNBERGER, selbst anerkanntes »Opfer des Kampfes um ein freies, demokratisches Österreich«, starb 70-jährig am 30. Jänner 1974 in Salzburg, beigesetzt auf dem Friedhof St. Peter.

Im öffentlichen Raum der Stadt Salzburg existiert allerdings kein Weg oder Platz, der den Namen Franz DÜRNBERGER trägt, seine Seelsorge und Zivilcourage würdigt.

1 »T4«: benannt nach der »Euthanasie«-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4.
Hauptverantwortliche für die Krankenmorde in Salzburg: Dr. Friedrich Rainer als Reichsstatthalter, Dr. Oskar Hausner als Leiter des Gaufürsorgeamtes, Dr. Leo Wolfer als Leiter der Landesheilanstalt und Dr. Heinrich Wolfer als Leiter der erbbiologischen Abteilung der Landesheilanstalt (heute Christian-Doppler-Klinik).

2 Im Bericht des Salzburger Tagblattes vom 15. Dezember 1952 heißt es, dass Heinrich AUER, Rudolf SMOLIK, Karl SCHALLMOSER und Anton SCHUBERT auf Initiative des Salzburger KZ-Verbandes in München-Perlach exhumiert und am 14. Dezember 1952 auf dem Kommunalfriedhof feierlich bestattet worden seien. Dokumentiert ist (Arolsen Archives), dass die Leichname der genannten Terroropfer im Jahr 1943 dem anatomischen Institut der Universität Würzburg zu Studienzwecken übergeben wurden und demnach nicht in München-Perlach exhumiert werden konnten.

Quellen

  • Archiv der Erzdiözese Salzburg und Regesta Ecclesiastica Salisburgensia (Priester Franz Borgias Dürnberger)
  • Landesarchiv Salzburg (Opferfürsorge-Akte S-524)
  • Stadtarchiv Salzburg (Melderegister)
  • Widerstand und Verfolgung in Salzburg, Band II, S. 263-265, 289f, 315f.
  • Arolsen Archives (Dokumente politischer Verfolgung)
  • Salzburger Kirchenblatt (15. 7. 1926, 11, 8. 9. 1927, 6, 17. 11. 1938, 6)
  • Salzburger Nachrichten (16. 6. 1945, 2: KZ fürs Messelesen, 5. 7. 1945, 2: Priester auf der Anklagebank)
  • Salzburger Tagblatt (22. 7. 1946, 4: Nachruf auf Anton Schubert, 15. 12. 1952, 3, Gedenken des Salzburger KZ-Verbandes auf dem Kommunalfriedhof)
Autor: Gert Kerschbaumer

Stolperstein
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