Anna JUNG, am 27. Juni 1886 in Liefering bei Salzburg geboren und katholisch getauft, war die ältere von zwei Töchtern des Ehepaares Anna und Georg Jung, Schneidermeister und Hausbesitzer in Liefering (seit 1939 ein Stadtteil von Salzburg).
Annas Vater starb 1908, ihre Mutter 1921. Anna JUNG hatte offenkundig keinen Beruf erlernt. Sie blieb ledig und arbeitete als »Küchenmädchen« in der Stadt Salzburg. Anschließend war sie eine Zeit lang in Pflege, unter anderem im St.-Anna-Spital (Grazer Bundesstraße 6, heute Gesundheitszentrum St. Anna).
Dokumentiert ist außerdem, dass Anna JUNG am 23. April 1935 in die Salzburger »Landesheilanstalt für Geisteskranke« stationär aufgenommen wurde. Diagnose und Arbeitsunfähigkeit waren entscheidenden Gründe für den Krankenmord unter der nationalsozialistischen Herrschaft.
Anna JUNG zählte zu den 85 Patientinnen und Patienten, die am 21. Mai 1941 von Salzburg nach Hartheim deportiert und dort ermordet wurden. Der Tod der 54-jährigen Frau ist wie bei allen Opfern der nationalsozialistischen Geheimaktion »T4«1 im Polizeimelderegister der Stadt Salzburg nicht vermerkt.
Ihre jüngere Schwester Maria überlebte die Terrorjahre und starb 1971 in Wien.
Hauptverantwortliche für die Krankenmorde in Salzburg: Dr. Friedrich Rainer als Reichsstatthalter, Dr. Oskar Hausner als Leiter des Gaufürsorgeamtes, Dr. Leo Wolfer als Leiter der Landesheilanstalt und Dr. Heinrich Wolfer als Leiter der erbbiologischen Abteilung der Landesheilanstalt (heute Christian-Doppler-Klinik).
Quellen
- The National Archives Washington DC (War Crimes Records of the U.S. Judge Advocate Division Headquarters)
- Erzdiözese Salzburg (Geburten- und Trauungsbücher)
- Stadt- und Landesarchiv Salzburg (Melderegister und Heimatmatrik)
Stolperstein
verlegt am in Salzburg, Grazer Bundesstraße 6